Skip to content

Südtirol, Hawaii und die Zeit. Ein Urlaubs-Einwurf.

Heute ist Südtirol mein Hawaii.

Ein absurder Gedanke? Auf den ersten Blick ganz sicher.

Aber das hawaiianische Sprichwort “E ho’omanawa nui”, welches soviel bedeutet wie “Zeit fliesst von einer Begebenheit zur anderen” kam mir heute Morgen urplötzlich in den Sinn;

Es gibt eine Zeit zum Arbeiten, Zeit zum Spielen, Zeit zum Relaxen und eine Zeit zum Nachdenken. Eins geht ins andere über und wir Menschen sind wohl öfter, als wir’s zugeben wollen, nicht in der Lage, diese Begebenheiten zu kontrollieren.

image

Alles dies geschieht in Balance und der geringste Anflug, dies kontrollieren zu wollen, feuert nach hinten los – so wie eben diese “Zwangspause”, die mir die Natur heute morgen auferlegte, als ich mit der Absicht unsere Frühstücksbrötchen einzukaufen plötzlich vor einem Zeithindernis in Form eines umgestürzten Baumes stand; Unser Urlaubsdomizil liegt wunderschön auf 850m NN zwischen Weinreben und Apfelplantagen im Berg. Das heißt, für Einkäufe müssen wir über ein enges Bergsträßchen ca. 300 Höhenmeter hinunter ins Dorf. Nun hatte es die Nacht gestürmt und infolge dessen waren mehrere kleinere Bäume & größere Äste auf die Straße gefallen – es gab kein Durchkommen. Und die nächste Wendemöglichkeit wurde kurze Zeit später durch den Milchlaster hinter mir verbaut.

Da stehe ich also, warte auf den Forstdienst, der vom Tal hoch kommend die Hindernisse beseitigen soll – und habe Zeit. Viel Zeit. Zeit zum Nachdenken über die Zeit, die mir der umgestürzte Baum geschenkt oder genommen hat.

Was soll ich sagen; als der erste Unmut verflogen war hab ich sie genossen. Die Zeit. Ging ja nicht anders.

In diesem Sinne,

Ihr Moltroff

Die Discounter-Barolo-Challenge: Ein Selbstversuch

Eine Flasche Barolo, der König der italienischen Weine kauft man nicht beim Discounter. Das war zumindest bis dato immer meine Meinung. Und daran, soviel sei vorweg genommen, sollte sich auch durch den selbstlosen Versuch, den ich gemeinsam mit zwei Freunden am gestrigen Abend startete nichts Prinzipielles ändern.

IMG_3056

Aber der Reihe nach.

Ich bin kein ausgesprochener Italienwein-Trinker. Das hat mehrere Gründe, ein maßgeblicher ist aber, dass gute italienische Weine -im Gegensatz zu ihren spanischen Brüdern- oftmals überteuert angeboten werden. Dies vor allem in Deutschland. Wenn ich mir einen guten Neb­biolo (das ist die Traube, aus der der Barolo aber auch sein “kleiner” Bruder, der Barbaresco gewon­nen wird) gönne, dann kaufe ich diesen in Italien z.B. von Cavallotto, der noch ein halbwegs akzeptables Preis-Leistungsverhältnis kennt.

Wie kann es also sein, dass die beiden Discounter Aldi Süd und Lidl einen Barolo zum Montepulciano-Preis anbieten können und vor allem wie schmeckt er?

Zur ersten Frage nach dem “wie geht das” habe ich mal ein wenig recherchiert. Man sollte dies m.E. wissen um die Weine und ihre Herkunft richtig einordnen zu können.

Nor­mal sind Baro­los nicht unter 30 Euro zu haben. Spitzen-Erzeuger wie Altare, Vietti, Cle­rico, Parusso und Pira kos­ten zwi­schen 55 und 75 Euro. Für gewöhn­li­che Wein­trin­ker nicht er­schwing­lich. Umso sen­sa­tio­nel­ler der Discounter-Preis. Für 8,99 Euro ermög­lichen beide Dis­coun­ter Neu­gie­ri­gen auch ohne dickes Porte­mon­naie den Zugang zu die­sem Wein, der in der gan­zen Welt einen Ruf wie Don­ner­hall besitzt.

Es liegt wohl daran, dass die Kel­ler im kleinen Anbaugebiet südwestlich der Trüffelstadt Alba im Piemont voll sind und in den letzten Jahren regelmäßig mehr Barolo abge­füllt wurde als im jeweiligen Vorjahr. Viele Win­zer haben Dolcetto-Reben raus­ge­ris­sen und Nebbiolo-Reben gepflanzt – und zwar in Lagen, die zweit- oder dritt­klas­sig sind. Sie spe­ku­lier­ten auf einen anhal­ten­den Barolo-Boom. Irr­tum: Die Welt­wirt­schaft kri­selt, die Nach­frage sinkt, das Ange­bot steigt. Zwei Zahlen verdeutlichen dies: Statt 6 Mil­lio­nen Fla­schen Barolo (wie bis 2004) wur­den 2010 bereits 11,5 Mil­lio­nen Fla­schen pro­du­ziert, wobei ca. 75 Pro­zent des Weins wird von den Win­zern selbst gefüllt und ver­mark­tet werden. Der Rest­ lan­det auf dem freien Markt.

Die Folge: Die Preise sank ins Boden­lose. Für ein Kilo Barolo-Trauben aus dritt­klas­si­gen Lagen zahl­ten die bei­den Genos­sen­schaf­ten Terre del Barolo und Terra da Vino (der Aldi-Süd-Lieferant) nur noch zwischen 1,60 Euro und 1,80 EUR. Leid­tra­gende sind, neben den Wein­bau­ern, die die Misere aus­ge­löst hat­ten, die Genos­sen­schaf­ten selbst.

Auf die­sen Moment hat­ten die Han­dels­kel­le­reien nur gewar­tet, etwa die Firma A. VI.P.S.p.a. mit Sitz in Coss­ano Belbo, die den Lidl-Barolo lie­fert: eine Indus­trie­kel­le­rei, bekannt dafür, dass sie süßen Asti abfüllt. Die günstigen Beschaffungspreise ließen Sie wohl auf den gewinnträchtigeren Barolo umstei­gen. Eine Über­schlags­rech­nung ver­deut­licht das: Wenn man 3 Euro pro Liter Barolo zugrunde legt, 30 Cents für Glas, Kor­ken, Eti­kett drauf­legt und 1,50 Euro für das Hand­ling, Logis­tik und Marge hin­zu­rech­net, dann könnte diese A.V.I die 0,75-Liter-Flasche für knapp 4 Euro netto anbie­ten – viel­leicht sogar für mehr. Die Rech­nung müsste also auf­ge­gan­gen sein. Auch für Lidl und den Zwi­schen­händ­ler muss am Ende ein hüb­sches Sümm­chen übrig geblie­ben sein, jeden­falls dann, wenn man von einem End­ver­kaufs­preis von 8,99 Euro ausgeht.

Und wie schmecken Sie nun?

Barolo bei Aldi-Süd

 

 

Abfüller: Genos­sen­schaft Terra da Vino

Abfüller: Genos­sen­schaft Terra da

Mein laienhafter Amateurgeschmack sagt:  “Tech­nisch” ohne Fehl und Tadel, beide schme­cken nach Neb­biolo auch wenn sie von Weinen a la Cavallotto Licht­jahre ent­fernt sind. Die Opu­lenz, die noble Frucht, das überrei­che Tan­nin – also das, was mir die Größe des Barolo aus­macht – haben beide nicht. Nun ist ein Barolo meines Erachtens kein “einfach zu trinkender” Wein. Viele die ihn zum ersten Mal trinken, empfinden ihn als rau, bitter, sauer, pelzig und noch einiges mehr, das man eigentlich gar nicht in den Mund nehmen möchte. Ein bisschen so kommt der Aldi-Barolo daher. Gut so.

Wobei uns drei durchweg der Aldi-Barrolo mehr mundete, immerhin hatte er einen Hauch von astringierender Wuchtigkeit und doch spürbar ein reifes, süßes Tannin mit einer angenehmen Säure.

Der Lidl-Barolo dagegen ist insgesamt ein Wein ohne große Struktur, spannungslos, eintönig, wenig Temperament. Unfiltriert zwar, ok das kommt mehr und mehr in Mode aber ein Knaller ist dieser Barolo nicht, er tut nicht weh, ist leicht trinkbar, hat aber kein Charisma. Daran ändert auch nichts, dass Lidl hinsichtlich “Qualitätsstandard” noch einen draufsetzt und sich der Dienste von Richard Bampfield, britischer Master of Wine annimmt. Von ihm ließ Lidl seine „exklusiven Weine“ (so die Werbung) nach dem Parkerschen 100-Punkte-Schema bewerten und veröffentlicht diese auch. Folgendes Schema gilt bei Bampfield/Lidl: 70-79 = Durchschnitt, genießbar, 80-84 = gut, solide gemachter Wein, 85-89 = sehr gut, mit besonderen Eigenschaften, 90-94 = außerordentlich, herausragender Charakter, 95-100 Klassiker, großartiger Wein. Der Barolo bekam eine 87. Warum auch immer.

Abfüller: Genos­sen­schaft A. VI.P. P.S Coss­ano Belbo

Abfüller: Genos­sen­schaft A. VI.P. P.S Coss­ano Belbo

Barolo bei Lidl

Barolo bei Lidl

Fazit: Wer schon immer mal einen Barolo probieren wollte, sollte die Finger weg lassen; Beide haben nicht die Finesse um als Testobjekt herzuhalten. Wer hingegen lediglich einen schmackhaften Neb­biolo sucht, ist beim Aldi-Barolo gut aufgehoben.

In diesem Sinne auf ihr Wohl,

ihr Moltroff

Galerie

Hannes Brahms© der Regenwurmrüde


Auf besonderen Wunsch meiner Followergemeinde auf Twitter anbei eine kleine Tweet-Kollektion aus dem Leben unseres Haustiers Hannes Brahms©. Alle Tweets sind mit Twitter verlinkt dürfen gerne noch gefavt werden.

Damit der Charity-Gedanke hierbei nicht zu kurz kommt, geht je Fav 0,10€ und je Retweet 0,37€ an die Tierschmutzorganisation Rettet den Regenwurm e.V., Moltroffingen.

 

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

0

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

 

(wird fortgesetzt)

Am Rande:

Wie ärgerlich mittlerweile die dreiste Plagiererei von geistigem Eigentum nicht nur bei Twitter & Facebook und Co. sondern überall im Netz ist, zeigt nachstehendes Beispiel eines mir nicht bekannten Fragestellers auf das ich zufällig bei der Googlesuche gestoßen bin:

“Der moderate Islam ist der radikalen Auslegung des Glaubens zu ähnlich”

“Der moderate  Islam ist der radikalen Auslegung des Glaubens zu ähnlich.” [Ahmad Mansour]

Ich muss gestehen, ich habe zunächst gezögert diesen Blogpost zu schreiben. Einerseits, weil er eigentlich nicht viel mehr tut, als auf ein Essay von Ahmad Mansour im aktuellen Spiegel zu verweisen, andererseits weil es mir als ‘konfessionsloser Christ’ wenig ansteht, moslemisches Tun und Handeln öffentlich aber anonym zu hinterfragen, gar zu kritisieren. Schnell wird mir dann -wie auf Twitter erlebt- das Schüren antiislamischer Ängste unterstellt.

Daher vorab: Die große Mehrheit aller in Deutschland lebenden Muslime distanziert sich von Terrortruppen wie Al-Qaida und islamischer Staat (ISIS).

Aber – und hier kommt mein ungutes Bauch- und Kopfgefühl zum Tragen – sie tun es aus meiner Sicht oftmals nicht wirklich überzeugend und mit vereinter Stimme der über 4 Millionen in Deutschland lebenden Männer und Frauen muslimischen Glaubens bzw. mit Migrationshintergrund eines islamischen Landes.

Das ich mit meiner Meinung nicht ganz falsch liege, bestätigte mir das aktuelle Essay von Ahmad Mansour, einem palästinensisch-israelischen Psychologen und Autor, der seit 2004 in Deutschland lebt und als Islamismus-Experte auch Mitglied der Deutschen Islam Konferenz war. Er kommt zu einem ähnlichen Ergebnis hinsichtlich dem Ton der öffentlichen Kritik seiner Glaubensbrüder und hakt dort nach, wo der Widerhall in der islamischen Gemeinde zu oberflächlich erscheint: “Aber reicht das aus? Ist schon der klarste Ton getroffen?” Bitte lesen Sie sein Essay einmal vorurteilsfrei.

Ahmad Mansour kritisiert moslemische Lippenbekenntnisse

Ahmad Mansour kritisiert moslemische Lippenbekenntnisse

Mansour plädiert darin für eine differenzierte Betrachtung des Islamismus und weist auf die Gefahren der Radikalisierung Jugendlicher hin.

Und er macht in seiner langjährigen Arbeit auch auch deutlich, dass ein Islam existiert und existieren darf, in welchem diejenigen, die sich als Muslime bezeichnen, sich nicht einem orthodoxen Islam zugehörig fühlen, wie er von den Islamverbänden in Deutschland gegenwärtig repräsentiert wird.

Freilich sind andere Islamverbände bzw. Vereinigungen von Muslimen, die einen unorthodoxen oder “liberalen” Islam vertreten, in Deutschland – abgesehen von den Aleviten – allenfalls marginal vorhanden bzw. präsent. Hier sind meines Erachtens alle diejenigen Muslime gefordert, die sich als religiös, aber nicht orthodox, verstehen. Sie sollten das Feld nicht den Orthodoxen, teilweise von ausländischen Regierungen gesteuerten Islamvertretern, überlassen.

Ein Blick in eines unserer Nachbarländer lohnt sich hierbei: In der Schweiz haben unorthodoxe Muslime bereits mit dem Aufbau einer Organisation begonnen; “Forum für einen fortschrittlichen Islam” nennt sie sich und positioniert sich gegen Hassprediger, Zwangsehen, gegen Kopftücher in bestimmten Öffentlichen Institutionen, für das Recht auf Selbstbestimmung von Frauen, eine gleichwertige Erziehung von Mädchen und Jungen, für eine eigene Wahl des partnerschaftlichen Zusammenlebens für Homosexuelle.

Es verwundert mich nicht, dass diese Muslime von orthodoxen und menschenrechtsfeindlichen Muslimen als “unislamisch” und “Islamfeinde” bezeichnet werden. Dieses Muster ist in Deutschland allzu gut bekannt.

Beispiele? Der ägyptisch-stämmige in Deutschland lebende Muslim Hamed Abdel Samad ist bereits 2013 von einem ägyptischen Islamisten in einer Fatwa zur Ermordung freigegeben worden, weil er – der er den Islam aus menschenrechtlicher Sicht kritisiert – “unislamisch” und “Islamfeind” sei, eine Meinung, die auch in Deutschland von interessierter Seite über den für vogelfrei Erklärten verbreitet wird.

Da braucht es gar keiner irren Salafisten in orangefarbenen Warnwesten die als Scharia-Polizei durch deutsche Innenstädte streifen, während türkische Ladenbesitzer den Raki unter dem Tresen verstecken.

In diesem Sinne einen gelungenen Sonntag noch,

Ihr Moltroff

 

Linkliste:

Spiegel-Essay aus Der-SPIEGEL-37-2014

Hompage von Ahmad Mansour

Ein politischer Tweet und die Reaktionen: Die Saat des Bösen

Die Saat des Bösen 

Nachstehenden Tweet habe ich gestern gepostet. Er enthält einen Auszug (genauer den Beginn) eines Spiegel-Artikels zum Titelthema “Staat des Bösen” (Spiegel No. 24.2014 von letzter Woche) über das von der ISIS errichtete “Kalifat”.

Bildschirmfoto 2014-08-25 um 18.19.48

Der Tweet enthält keinerlei Beleidigungen, Verleumdungen oder ähnliche verletzenden Äußerungen meinerseits. Wiedergeben wurde nur, was die Spiegeljournalisten Markus Feldenkirchen, Christoph Reuter, Mathieu von Rohr, Jörg Schindler, Samiha Shafy und Christoph Sydow vor Ort erlebt haben und berichten. Der Tweet fordert meine Leser zum Nachdenken über die derzeit anstehende politische Entscheidung der Bundesregierung zu Waffenlieferungen an die Kurden auf.

 

Bildschirmfoto 2014-08-25 um 18.24.55

 

Soweit die Fakten.

Was mich – neben viel Zustimmung – dann über Twitter erreichte macht mir gelinde gesagt Angst; Da kommen die verbalen Einschläge deutschsprachiger Migranten (?) schon sehr nahe! Ich möchte keine Personen anschwärzen und bilde daher hier einige Replys mit tlw. geschwärztem Accountnamen ab. Fakt ist aber auch: Das sind nicht die persönlichsten Beleidigungen, die mich erreichten. Aber bitte urteilen Sie selbst:

Bildschirmfoto 2014-08-25 um 18.17.38

 

Bildschirmfoto 2014-08-25 um 18.16.06

 

Bildschirmfoto 2014-08-25 um 18.09.02

Bildschirmfoto 2014-08-25 um 18.16.15

 

Mein erschreckendes Fazit: Von derart kruden Verschwörungstheorien zu einer islamistischen Grundhaltung scheint mir der Weg nicht mehr sehr weit. Auch nicht in Deutschland.

In diesem Sinne

Ihr Moltroff

 

 

Der sonntägliche Einwurf: Social-Penis

Meinen Twitterfollowern und Bloglesern mag ich heute aufmunternd zurufen:

Sie mögen sich derzeit vielleicht noch komplett bescheuert vorkommen, aber irgendwann wird das Feuilleton zu uns aufblicken und sagen: Wieso ist noch niemand anderes darauf gekommen, diese Social-Network-Kultur als riesigen Penis zu sehen, der uns gegen unseren Willen deepthroatet.

logoIn diesem Sinne,

ihr Moltroff

 

Moltroff’s kleine Minze-Melange

Minze-Mythologie

In der griechischen Mythologie verliebte sich Hades, der Gott der Unterwelt, in die Nymphe Minthe (Mintha), die Tochter des Flußgottes Kokytos. Verständlicherweise sehr zum Unwillen seiner Ehefrau Persephone, worauf die betrogene Gattin -man kennt das- wild vor Eifersucht die arme Nymphe Mintha zeriss. Hades verstreute die Teile auf einer Wiese voller Maulwurfhügel, aus denen dann duftende Minzen hervorwuchsen, auf einem sonnigen Berg östlich von Pylos in Messenien.

Genug des antiken Staubes.

Warum ich Minzer wurde

Vielleicht ist der mythologisch-prickelnde Hintergrund der sinngebende Background, warum ich in den letzten Jahren vernarrt in dieses Minze-Kraut (lat. Mentha) wurde. Vielleicht ist aber auch noch unentdeckter psychoaktiver Inhaltsstoff dafür verantwortlich. Man liest ja viel von Spice & anderen Kräutermischungsprodukten. :-) Wie dem auch sei, ich weiss es nicht.

Es ist jedenfalls ein “geiles” Kraut, das bei Familie Wurf auf unterschiedlichste Weise Verwendung findet: Im frisch aufgebrühten Minze-Tee ebenso wie im von mir geliebten Mojito-Cocktail, im abendlichen Gattinen-Hugo-Aperitif, in der Hausapotheke und im nächtlichen Aromakissen oder als Würzkraut in der Küche nur um einige Beispiele zu nennen – für Mentha gibt es bei uns unzählige Einsatzbereiche.

Und manchmal hänge ich auch einfach nur meinen Rüssel, Verzeihung die Nase in einen kleinen Mentha-Duftstrauß als anregendes Frische-Element. Effekt “schöner als kiffen”.

An dieser Stelle und in loser Folge in weiteren Posts möchte ich Ihnen ein wenig Appetit auf Minze in ihrer ganzen Vielfalt machen (die zahlreichen Arten und Sorten sind tatsächlich kaum aufzuzählen. Man vermutet, dass es weltweit über 50 verschiedene Minze-Sorten gibt). Alle von mir erwähnten Sorten wachsen bei uns im eigenen Garten. Und das Beste daran: Das Zeug ist völlig pflegeleicht und schießt eher mal ins Kraut, als dass es sich verabschiedet. Sonniger bis halbschattiger Standort passt immer. Also schaffen Sie sich ggf. breite Küchenfensterbretter an. Oder einen Garten. Am Ende des Posts finden Sie einige hilfreiche Links zum Thema Minze, dies erspart mir hier Pflege- und ähnliche Ratschläge.

Ok, los geht’s.

Meine Favoriten

1. Hemingway-Minze, Mojito-Minze (Mentha species ‘Nemorosa’)

Hemingway2

Diese -der Legende nach- aus dem Garten von Hemingways Lieblingsbar La Bodeguita del Medio in Havanna stammende Minze ist selbstredend im Mojito zu genießen. Aber nicht nur. Sie bietet einen sehr milden, aber durchaus kräftigen Minzgeschmack hat aber (wichtig!) einen geringen Mentholgehalt.

Bitte gestatten Sie einen kleinen Exkurs zu meinem Lieblingscocktail:

Mojito ist so ziemlich das absolute Gegenteil von Tee mit Rum, nämlich der perfekte Sundowner-Longdrink. Wie oben erwähnt, war er angeblich der Lieblingsdrunk von Hemingway; in Kuba ist Mojito eine Art Nationalgetränk. Bei mir auch. Die Philosophie des Drinks für revolutionäre Minimalisten liegt im Detail. Der Rum sollte unbedingt Havana Club sein (siehe unten). Bitte lassen Sie die Finger von Bacardi & Co.; dies wäre ein unverzeihlicher Stil- und Geschmacksbruch. Ähnlich penibel ist die Wahl des Zuckers – brauner Rohrzucker lautet hier das Diktat. Limetten, das sind die grasgrünen Zitrusfrüchte, geben ihren Saft dazu. Bitte niemals konzentrierten, konservierten Limettensaft verwenden, lieber im Winter mangels Limetten pausieren. Absolut unverzichtbar ist ein ausreichend langer Stängel frischer Hemingway-Minze, der kommt im Ganzen ins Glas und stellt die Dekoration. Zum Drink gehört ein kurzer Strohhalm, so dass die Nase förmlich in dem duftenden Minzezweig verschwindet.

Und so mixe ich den Mojito. Die Zutatenliste ist übersichtlich, finden Sie einfach ihre persönliche Mischung:

  • 2 Teelöffel brauner Rohrzucker
  • Saft einer halben Limette
  • 2-4 Minzzweige
  • 9 cl Mineralwasser
  • 5 cl Havana Club Añejo 3 Años
  • Eiswürfel

In ein hohes Glas geben Sie 2 Teelöffel Rohrzucker, den Saft einer halben Limette, 2-4 Minze-Zweige und zu 2/3 Mineralwasser (9 cl) Sanft umrühren. Als Minzjunkie stoße ich -im Gegensatz zu manchem Barkeeper- die Minze bewusst leicht mit einem Stößel um mehr Geschmack zu erzeugen. Nun den Havana Club Añejo 3 Años und die Eiswürfel hinzufügen. Gut umrühren. Dekorieren. Fertig.

So. Wenn ich ihnen nun keinen Appetit auf einen Mojito bereitet habe, nehmen Sie die Hemingway-Minze einfach für ihren Hugo, den spritzigen Aperitif aus Südtirol (Rezeptlink in Linkliste), durchaus auch mal in der alkoholfreien Variante (Selters statt Sekt); Mojitominze passt dort ebenso ideal. Hauptsache, sie lassen diese fertiggemixte Industrieplörre beim Discounter verwesen!!

Zu guter Letzt:

Praxistipp: Minze ernten

Minze können Sie die ganze Saison hindurch ernten. Dabei müssen Sie die Minze einfach mit der Haushaltsschere abschneiden oder abzupfen. Ich empfehle eine (größere) Ernte immer in den Morgenstunden, da alle Minze-Sorten dann am frischesten sind. Mein Tipp: Da die Minze in getrocknetem Zustand oftmals so einiges von ihrem jeweils typischen Aroma verliert, sollten Sie diese nach der letzten Ernte lieber einfrieren.

Demnächst hier: After Eight aus dem Garten: Die Schokominze (Mentha x piperita var. piperita “Schocko”). Lassen Sie sich riechen.
In diesem Duft-Sinne,

Ihr Moltroff

Linkliste

Pfefferminzmuseum Eichenau zur Pfefferminze in der Mythologie

Minze-Pflanzen – Anbau & Pflege der Pfefferminze

Lesenswert: Der alte Mann und die Minze; „My Mojito in La Bodeguita. My Daiquiri in La Floridata“

Empfehlenswertes Hugo-Rezept 

Das Universum besteht aus Tweets, nicht aus Atomen.

“Das Universum besteht aus Geschichten, nicht aus Atomen.” [Muriel Rukeyser]

Ich hoffe, sie nehmen mir das leichte Verbiegen dieses schönen Zitats von M. Rukeyser nicht krumm, aber es passt so wunderbar zu meinem Universum, das genau aus diesen atomar kleinen Geschichten in Form von Tweets besteht; aus 140-Zeichen-Text, selbst geschrieben oder von meinen Mittwitterern in die Timeline geworfen. Extrahiert aus Erlebnissen, Anekdoten über Hoden, Biographien zum entfliehen.

Dieses Twitter-Universum ist übervoll von Analogien und sobald ein neuer Reiz in Form von News, #Hashtags oder Ähnlichem eintritt, wird er sofort tausendfach widergespiegelt; Ich vergleiche das gerne mit einem Flipperautomaten, der sich ebenso bunt und laut gibt wie Twitter und dessen Bumper bei Kugelkontakt diese mit aller Kraft zurückschlagen. Ins Universum.

sw01
In diesem Sammelsurium geht das Wenigste gänzlich verloren, zumindest bilde ich mir das an besseren Tagen ein. Irgendwer gräbt maulwurfartig alte Tweets wieder aus und wirft damit um sich (dafür gebührt sogar dem von mir hassgeliebten Favstar.fm ein wenig Dank).

Manchmal treffen so neue Tweetgeschichten auf alte und verändern diese unbewusst, manchmal decken sie unbekannte Aspekte auf oder beleuchten Ungesehenes. Alte Tweets zu einem Thema werden dadurch anders betrachtet, weil sie wie die erste Seite eines guten Buches sind. Man liest sie, findet sie gut und ahnt, dass noch ganz viele tolle Seiten folgen. So werden die Geschichten immer bunter, größer, tiefer, schlichter … schriller. Womöglich.

Ich twittere aus vielen Gründen aber regelmäßig hoffe ich mit meinen Tweets ein Lächeln ins Universum zu zaubern oder um es mit anderen Worten zu sagen, für jemanden ein Geldstück in den Flipper zu werfen, damit er schön bunt und laut ballert. Mir gefällt der Gedanke, dass meine Tweets Teil eines anderen Universums werden, dass sie etwas bewirken, eine Kleinigkeit nur und nichts, dass von mir intendiert ist. Wenn es nur ein kleiner Endorphinboost ist, ein unscheinbares Glied in einer Kette von Erinnerungen, ein Wort in einem Liebesbrief oder ein flüchtiger Gedanke vor dem Einschlafen, ein Laut des Trostes, ein wenig Halt vielleicht auch für mich selbst. Ja auch dafür twittere ich. Und vor allem für den Liebesbrief. :-)

Das Handwerkszeug ist dabei übrigens Nebensache; Manche haben es drauf, andere überzeugen allein durch die Geschichte hinter den 140 Zeichen. Oftmals finde ich das weniger mehr ist. Völlig verphraste und künstliche Tweets nerven mich. Ein Tweet muss für mich eine gewisse Leichtigkeit haben, dann lese ich ihn gern. Gefavt & retweetet wird was mir gefällt. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich hier schon erzählte.

Ganz in diesem Sinne,

Ihr Moltroff

 

 

Sozialbulemie: Twherapie unumgänglich

Die Ursachen für diese, sich in westlichen Gesellschaften explosionsartig ausbreitende, Krankheit sind nach wie vor nicht eindeutig geklärt.

Diesbezüglich im Gespräch sind neben neurologischen und genetischen auch soziokulturelle Aspekte sowie Störungen bei der Identitätsfindung.

Betroffene leiden häufig unter einer gestörten Wahrnehmung ihres sozialen Umfeldes: Trotz eines normalen Freundes- und/oder Bekanntenkreises empfinden sie sich als kontaktlos und sozial verarmt. So setzen bei ihnen im Rahmen ganz normaler Internetaktivitäten z.B. während der Büroarbeitszeit plötzlich Heißhungergefühle ein, denen in Form von sogenannten “Massenposting-Attacken” – vorrangig diskret ausgeführt auf nichtöffentlichen Toiletten – nachgegeben wird. Ein übermäßig schlechtes Gewissen, oftmals einhergehend mit dem Gefühl wieder “sternhagelvoll” zu sein, sind die Folge.

 

 

Um zu verhindern, dass Körper & Geist die ausgeschütteten Twhormone (teilweise werden bei solchen Anfällen bis zu 10.000 Facebook-Posts & Tweets freigesetzt) nicht verdaut und es damit z.B. zu einer unkontrollierten Follower-Zunahme kommt, wird künstlich Erbrechen (der Psychologe spricht von “Entfolgen”) herbeigeführt. Beschäftigen sich Patienten ausschließlich mit dem Themen Social Network, Instagram, Twitter, Facebook und Flicr und sind mindestens zwei Anfälle pro Stunde die Regel, spricht man vom Krankheitsbild der Sozialbulimie.

Es handelt sich also um eine Suchtkrankheit, die ähnlich schwierig zu behandeln ist wie Drogen- oder Alkoholmissbrauch. Für eine effektive Sozialbulimie-Twherapie ist es zunächst unverzichtbar, dass die/der Betroffene das eigene Verhalten als eine Krankheit anerkennt. Darüber hinaus muss sie bzw. er Hilfe annehmen und selbst die Initiative ergreifen wollen, um seelisch wie auch körperlich zu gesunden.

Je nach dem Schweregrad der Erkrankung und der persönlichen Situation des Betroffenen erfolgt die Twherapie ambulant, z.B: durch eine Social Media-Diät oder stationär in einer Fachklinik (im Twherapeutenjargon “Twitterklapse” genannt).

Bei beiden Varianten erfolgt zunächst die Anamnese, bei der unter anderem nach individuellen Ursachen für das Entstehen der Erkrankung gesucht wird. In der nun folgenden Entzugstwherapie erlernen Betroffene neben dem Wahrnehmen und Äußern eigener Gefühle auch den Umgang mit Krisensituationen wie z.B: Favstar-Offs, Shitstorms und Twitterausfällen.

5_48

Besonders im Rahmen einer Verhaltenstherapie werden alternative Verhaltensweisen ermittelt, über die sozialer Stress abgebaut und Zufriedenheit erreicht werden kann, z.B. Gänseblümchen flechten oder ‘Grillen grillen’ – Kurse. Auch Selbsthilfegruppen wie “Opel-Omega-restaurieren-leicht-gemacht” können helfen, aus dem Teufelskreis der Sternchenjäger zu entkommen.

Mein Fazit: “Wer immer nur twittert und kotzt, hat nicht das Leben gefunden, das ihm schmeckt”

In diesem Sinne,

Ihr Moltroff

 

Nachsatz (bitte lesen):

Dieser Blogpost ist Satire.
Dennoch:  Was absurd klingt, ist bereits Teil der Realität, daher sollte der vorstehende Post auch zum Nachdenken anregen: Twitter & Co. revolutionieren nicht nur die Sprache, sondern auch das alltägliche Leben. Mal eben Social-Accounts checken oder die letzten News twittern, das nimmt einen immer größeren Teil des Tages ein. Problematisch dabei ist, dass Social Media deutliches Suchtpotential hat.

Die Social Media Experten von karrierebibel.de haben sich des Themas angenommen und augenzwinkernd eine Liste mit Symptomen für Social Media Sucht verfasst. Jeder, der auch mündlich im 140 Zeichen Stil kommuniziert ist danach der Twitter Sucht verfallen. Schließlich übernimmt er die Regeln des Micro-Blogging in die Realität. Gleiches gilt für alle, die sonntags keinen „Tatort“ mehr sehen können, ohne die Handlung parallel weiter zu twittern. Facebook-Addicts wiederum outen sich durch inflationären Gebrauch der Formulierung „I like“, um Wertschätzung auszudrücken. Gerne wird diese Äußerung noch mit einem hochgereckten „Facebook-Daumen“ kombiniert. Wer nirgendwo mehr hingehen kann, ohne bei Location Based Services wie Foursquare einzuchecken und in der eigenen Stadt weniger Sehenswürdigkeiten als kostenlose WLAN-Hotspots kennt, der ist vollends der Social Media Sucht verfallen.

Viele Betroffene bekommen depressive Verstimmungen, wenn die eigenen Tweets oder Statusmeldungen keine “Sterne” oder „Gefällt mir“ bzw. Kommentare erhalten.

Bitte reflektieren Sie einmal bei Gelegenheit ihr eigenes Verhalten :-)

Der Nachbarschafts-WM-Gau

Es war Weltmeisterschaft. Und es war erste Bürgerpflicht sein Fan-Sein auch physisch erhöht unter Beweis zu stellen, schließlich waren wir zumindest mental bereits Weltmeister.

Nein, Fan-atismus zeigt man keineswegs nur in Form von Rückspiegelkondomen und Haifisch-schwarz-rot-weiss-Flosse am Rumänen-SUV. NEIN!

Publich viewing“KOMMT ZUM PUBLIC VIEWING MIT DER NACHBARSCHAFT”
Am 26. Juni 17:30 Uhr, bei W….ers geht’s los.

Jeder bringt etwas zum Grillen & Getränke nach Wahl mit.

Liebe Grüße & Olé,

Eure Marianne & Bernd

lautete der in dreifacher Ausfertigung nebst Abriss-Anmeldezettel in den Briefkasten gestopfte Flyer der werten Umwohnenden (bitte sehen Sie es mir aus Gründen nach, hier kein Foto desselben abzulichten, mehr dazu nachstehend).

Olé“?  Wumm, diese Wucht im Abschluss hätte ich nicht erwartet. Man muss wissen, dass Marianne & Bernd keineswegs Nachbarschaft im eigentlichen Sinne sind; Sie sind eher Ortsteilschaft. Dennoch bekannt wie zwei rotbunte Dalmatiner in currywurstfarbenen Gummistiefeln. Quasi Ortnungsamt, Fanmeile & Zirkusdirektorium in einem. Aber liebenswert. Meistens.

Blöderweise erwischte mich Bernd, der gutmütige Adipositasjünger mit zertifiziertem Bitburger-0,33-Faible dann prompt tags zuvor beim Rasen mähen vor meinem Haus; “Kommt ihr aber auch morgen Abend zum WM gucken, ODER??!!”

Nun hatte ich, der sonst so vermeintlich Schlagfertige keine geniale Ausrede parat; nicht einmal unser übliches Vereins-Public-Viewing fand statt und konnte herhalten, da unser Vereinsheim mitsamt Schwimmbad gerade umgebaut wurde. Ich machte mir nicht die Mühe, den Mäher auszuschalten und rief ihm daher halb im Scherze über die Buxbaumhecke zu:

“Wer Weltmeister wird ist mir doch so egal wie eure dreckige Straßenrinne & verunkrauteten Vorbeete!”

Public-Viewing-658x370-040b82adcf409aa7

Diese Bemerkung brachte mir und meiner Familie einen langen, einsamen, sozial finsteren Winter ein. Im Juni.

Wir waren geächtet. Das hatten Bernd & Marianne W. schnellstens an Gartenzäunen und über Thujahecken hinüber kolportiert.

Keiner nahm unsere Pakete an, niemand bat uns, die Katze zu füttern, keiner wollte uns mit Salz oder Milch aushelfen, unsere Kinder wurden behandelt wie Zigeuneraufwuchs und durften keine fremden Tretautos mehr benutzen. Ich lies den Hund nicht mehr unbeaufsichtigt vor die Tür, musste man doch einen perfiden Giftanschlag mit im Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufenen “Wiesenhof-Bruzzlern” auf die treue Seele befüchten.

Etliche gefühlte Wochen später.

Er war ein strahlend schöner Tag, dieser 8. Juli. Als Deutschland im Halbfinale verlor. Gegen Kokslumbien.

Ich hisste schon morgens um 5:00 Uhr die Deutschlandfahne. Meine Familie war rehabilitiert. Jogi Löw trat um 13:00 Uhr zurück.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 3.917 Followern an