Während das Verteidigungsministerium mit der Drohne Euro Hawk Hunderte Millionen Euro in den Sand gesetzt hat, werkelt ein technikaffiner Maulwurf heimlich in seinem unterirdischen Labor an einer alltags- und praxistauglichen “All-you-can-aufspür”- Indoordrohne, die mit technischer Raffinesse verloren geglaubte Smartphones, vergessene aber noch nicht gegessene Schokoriegel oder aber z.B. auch gänzlich ungenutzte Kondome selbst in den unzugänglichsten Regionen der heimischen Wohnung aufspüren kann.
“Wie können Remote-Anwendungen die Lebensqualität von Untererdlingen verbessern?” Diese prägnante Fragestellung aus einem dem jährlich stattfindenden “Maulschlau”-Forschungswettbewerbe des Bundesministeriums für innere Grabangelegenheiten (kurz Wurfministerium) habe ihm keine Ruhe gelassen, erklärte Moltroff am Pfingstmontag in einem ARD-Interview gegenüber “Tiefgründig-Die Reportage” Moderator Ranga Yogeshwar. Während seiner tagelangen Such- und Grab-Sessions sei das schnelle Aufspüren von Utensilien wie Handy und Snacks schließlich überlebenswichtig. “Das unübersichtliche Gelände in meinem Bau behindert jedoch die Effizienz z.B. der Schokoriegel-Suche.”
Die ausgefeilte Lösung des Tieflings besteht aus einer neun Millimeter langen, fernprogrammierten Indoor-Drohne, die mit einem elektronischen Duftsensor ausgestattet ist. ‘”Auf dem Chip sind die z.B. Geruchsprofile von 27 Schokoriegel-Sorten gespeichert”, erklärt Moltroff. Aber auch die 17354 typischen Klingeltöne von iPhone, Samsung Galaxy und Nokia Lumia und die bekannten Gummi-Abriebfrequenzen von Billy Boy, Fromms, Condomi & Co finden sich auf dem “Mission-Impossible”-Chip des Herstellers Northrop Grummbeer der Snickers V.27-Drohne. Weitere sensorischen Profile können per USB-Verbindung upgeloadet werden.
Grauer Stardesigner Moltroff schildert: “Durch die hohe Empfindlichkeit der Sensoren kann die Drohne einen Schokoriegel sogar unter meterhohen Hügeln aus Pizzahut-Schachteln, Club-Mate-Flaschen oder benutzten Sportsocken orten. Dank der schlanken Bauweise seien auch kurvenreiche Höhlenflüge im Labyrinth des Untertagebaus kein Problem. Die aufgespürten Riegel werden mittels eines Laserstrahls markiert und ihr Aufenthaltsort über eine WLAN-Schnittstelle auf einer interaktiven Karte gespeichert. “So kann ich alle Riegel stets lokalisieren und bei Bedarf einen schnellen Zugriff starten”, freut sich Herr Moltroff. Nun hofft er auf Unterstützung aus der Wirtschaft: “Snickers oder Billy-Boy als Sponsor, damit könnte ich sogar den ehemaligen Verteidigungsminister Lothar de Maizière (CDU) der mittlerweile bei EADS im Aufsichtsrat sitzt, von einer Großserienfertigung überzeugen”
Und auch das Fraunhofer Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB zeigt Interesse an der Entwicklung und möchte die Geräte in modifizierter Outdoorversion im Sozial-Katastrophenschutz einsetzen z.B. bei der sensorischen Überwachung von Twitter-Freigängern, die sich im Rahmen ihrer Resozialisierungsmaßnahmen für mehrere Stunden (!) im Reallife bewegen.
Eine spannende Geschichte. Wir bleiben dran.
Vom existentialistischen Standpunkt aus betrachtet sind Maulwürfe dem Menschen nahezu gleichwertig.
Sie errichten architektonisch anspruchsvolle Bauten, lassen sich tagsüber die Sonne auf den Bauch scheinen, sehen einfach cool aus (was sie positiv von 97% des Homo sapiens-Bestands abhebt) und organisieren sich bei Bedarf in wehrhaften Wehrwurf-Gruppen gegen ihre natürlichen Feinde. Kurzum, sie sind also jeder Hip-Hop-Gang ebenbürtig.
Aus dieser Perspektive betrachtet scheint mir der von der menschlichen Gattung erhobene Anspruch “Höchstes aller lebenden Wesen” als zumindest fragwürdig. Spätestens beim zappen durch die menschgemachten Fernsehkanäle wird aus der Vermutung ein trauriger Fakt: Brechreizaffine Sendungen wie “Der Bachelor”, “DSDS”, “Dschungelcamp” und und und lassen keinen ernstzunehmenden Zweifel: Der Maulwurf wirkt seltsam erhöht.
Damit wäre auch ein trauriges anatomisches Merkmal erklärt; Gerade geworfene Maulwurfwelpen keimen an die Erdoberfläche um einen direkten Blick in die Menschenwelt zu wagen: Beim Anblick des erstbesten Jugendlichen in tief hängenden Baggy Jeans versagt ihm gnädigst das Augenlicht und das kleine Maulwürfchen erblindet sofort. Womit dann in den Folgelebensjahren nur noch blindes Herumtapsen bleibt.Traurig, nicht wahr?
Nichtsdestotrotz: Maulwürfe haben eine sehr feine Nase, anatomisch geradezu prädestiniert für investigativen Journalismus; Bloggend Witterung aufnehmend bei aktuellen Themen, die nicht nur die Unterwelt berühren.
Aus dieser Geruchssinneswahrnehmung resultiert schlussendlich auch die Vorliebe für gutes Gesöfs, in Menschenkreisen “Single Malt” genannt. Verständlich; mit Supernase fällt jedes Whisky-Tasting leicht. Mein Fazit übrigens auch:
Wenn Maulwürfe Menschen sein wollen dürften, wären sie wenigstens saufende Rocker.
In diesem Sinne.
Ihr Moltroff
„Es waren Kaukasier!?“
„Ja, Tschetschenen die in Kirgistan aufgewachsen sind!
„Und?“
„Was jetzt ‘und’?“
„WAREN ES GOTTVERDAMMTE MOSLEMS??“
Sie können über diesen Tweet trotz der Ereignisse in Boston schmunzeln obwohl ihnen irgend etwas im Hals stecken geblieben scheint? Sehr gut, dann könnten Sie Sinn für schwarzen Humor oder aber auch eine veritable Bronchitis haben. Oder beides.
Ja es war unter anderem dieser Tweet, der mich einige Follower gekostet bzw. mir einige Mentions im Stile von “völlig daneben” beschert hat. In einem weiteren Beitrag ging es um die von meinen Kids täglich konsumierte US-amerikanische Zeichentrickserie Phineas und Ferb und einen von mir avisierten Besuch in der Walt Disney Company-Zentrale. Mitsamt Schnellkochtopf.
Man kritisierte mich, echauffierte sich und drohte mit dem Rundfunkrat
Ich kann natürlich sehr gut verstehen, wenn einige Leser diese Tweets für mindestens schlecht, bescheuert, normwidrig, wenn nicht sogar für pathologisch halten und dies auch mehr oder weniger deutlich zum Ausdruck bringen. Ihr gutes Recht.
Zeit dennoch für mich einmal darüber zu sinnieren, über welche Dinge meine Tweets sich lustig machen dürfen und wo für mich die Grenzen des guten Geschmacks liegen.
Genau da liegt aber bereits die Krux, der Knackepunkt der Thematik: Ich kann für Schwarzen Humor eigentlich gar keine Grenzen setzen, da diese ja von mir bewusst überschritten werden (sollen). Ist es nicht das eigentliche Wesen des schwarzen Humors, dass mit dem Entsetzen der Situation (und des Lesers) gescherzt und gesellschaftlich normierte Grenzen enttabuisiert werden?
Die Literatur definiert als schwarzen Humor so auch einen Humor der normalerweise als ernst betrachtete oder makabre Themen wie Verbrechen, Krankheit und Tod in satirischer oder bewusst verharmlosender Weise behandelt. Schon der alte Sigi Freud vertrat die Auffassung, dass Witze als Ventil für die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich tabuisierten Bereichen genutzt werden. Da muss sogar ich ihm einmal zustimmen.
Der Übergang bzw. die Grenzen zwischen schwarzem Humor, Zynismus, Sarkasmus oder dem was die Angelsachsen als sick comedy, also als kranken respektive schlechten Humor bezeichnen, war und ist immer fließend; Der Schreibende balanciert hierbei auf einem sehr dünnen Seil. Allerdings stehen für mich beim Verfassen eines entsprechenden Tweets zweierlei Setzungen im Vordergrund:
1. Maßgeblich und Messlatte ist immer das satirische Element des Tweets: Daran darf man mich messen; Wenn der grenzüberschreitende Witz also eine über die Schockwirkung hinausgehende Pointe enthält die dem Leser besagtes rauhe Grinsen in den Hals injektiert, war die Satire gelungen bzw. wurde meine Intention verstanden (was nicht immer das Gleiche sein muss).
2. Ein schwarzer Tweet macht aus meiner Sicht vor allem dann Sinn, wenn er eine aktuelle Begebenheit aufgreift die bereits per se in der gesellschaftlichen Diskussion ist. Diese Diskussion boshaft und politisch unkorrekt zu überzeichnen heißt für mich sich mit ihr auseinander zu setzen bzw. die Thematik ohne Verblendung diskussionsfähig zu machen.
Man kann den Eingangs zitierten Tweet natürlich als menschenverachtend oder rassistisch ”lesen”, der Kern steckt aber doch etwas tiefer; er greift das in der USA bei jedem Terroranschlag immanente Bedrohungsszenario “Islamistischer Terror” auf.
Am treffendsten illustriert es m.E. übrigens André Breton, der ‘Erfinder’ des Begriffes “schwarzer Humor’ in seinem entsprechenden Manifest “Anthologie des Schwarzen Humors mit jenen letzten Worten eines zum Tode Verurteilten, der an einem Montag zum Galgen geführt wird: “Na, diese Woche fängt gut an!”
In diesem Sinne eine schöne Woche wünscht,
Ihr Moltroff.
Frühlingserwachen in der Maulwurflende
Schau da, der Huflattich bricht aus hartem Boden.
Über meinem Hügel zeigt sich das erste Grün.
Frau trachtet jetzt nach Frühjahrsmoden
und Maulwurfblicke werden scharf und kühn.
Franz der hat wirklich eine Meise,
schleppt Äste, Moos und Zweige
zum Nesterbau für sich und seine Brut!
Das hat doch Zeit bis übermorgen,
heute tut das dem Teint nicht gut.
Im Vorratskeller geht der Punsch zur Neige
und auch Hannes Brahms ist aufgewacht.
Spielt schräg auf seiner Zalando-Geige
einen Song von Nirvana, wer hät’s gedacht.
Vorbei die langen, trüben Wintertage.
Nun schießt der Saft in meine Lenden schon.
Kein Heulen mehr, kein Wehgeklage;
Der Frühling naht mit bassboxlautem Ton.
Wen kümmern Kälte noch und Regenschauer?
Sie nehmen mitnichten mir den Schwung,
sind sie höchstens noch von begrenzter Dauer.
Ein Prosit auf den Frühling, niemals wieder sind wir so jung!
“Ein Hamsterrad sieht von innen aus wie eine Karriereleiter”; diese Erkenntnis findet sich u.a. in einem Tweet von @stefanb_ und basiert auf einem Foto, dass Anonymous von dem hingekritzelten Original gemacht hat.
Du bist kein Hamster. Das ist die gute Nachricht. Doch ihr beide könnt Getriebene sein. Bei den Nagern dient das Rad dazu, den Bewegungsdrang des Tieres zu befriedigen. Und bei Dir? Je mehr du läufst, desto schneller dreht sich das Rad?
Doch von vorne: Da stehst du also und schaust auf diese Stadt. Schaust aus dem Fenster im 7. Stock und lächelst. Denn du bist ein Gewinner. Du hast es weit gebracht – oder vielmehr: hoch hinaus. Hat sich am Ende also doch gelohnt. All die Überstunden und die Wochenendarbeit, und das ganze Lügen und Verstellen. Und nun drehst du das ganz große Rad. Wie ein kleiner Hamster. Und deine Backenhaare zittern dabei vor Aufregung.
Denn du bist ein Macher. Du hast es einfach gemacht. Du hast es dir einfach gemacht. Jemand winkt mit etwas Geld und einem schicken Büro und du bist einfach losgerannt. Das nennt man wohl Konditionierung. Ohne Sinn und Verstand. Dabei hast du doch Verstand. Aber Sinn? Sind da nicht ein paar Dinge, die du vergessen hast? Zum Beispiel…Liebe – Bist seit zwanzig Jahren verheiratet. Glücklich, wie du betonst. Nicht nur, weil du es musst, sondern, weil du es wirklich so meinst. Und wenn du glücklich meinst, meinst du: sieht gut aus und kann gut kochen. Denn das ist sozialer Status und abends immer ein warmes Essen auf dem Tisch.
Und – wie läuft’s im Bett? Da schweigst du verschämt, teils aus Verklemmung, teils weil du ja nicht immer lügen willst. Doch du bist ein Gewinner und du hast einen krisensicheren Job. Früher wärst du nur “Sachbearbeiter” gewesen, aber heute bist du “Strategical market analysis analyst”. Wow. Und was tust du da? Versicherungskonditionen berechnen und aus deinem Mund klingt es nicht einmal wie eine Entschuldigung. Und du rechnest gern und du gibst dir alle Mühe, es richtig gut zu machen, denn dann steht am Ende eine fette schwarze Zahl. Und du nennst das: Werte erschaffen.
Und du sagst: “Eine Zahl ist eine Zahl ist eine Zahl.” – Und ich sage: “Stimmt! Gut, wo du dich so für Zahlen interessierst, reden wir doch mal über Mathematik.“Bist du von dieser Welt berührt?
In der sich eins und eins zu zwei addiert,
wo die Tangente sanft den Kreis tangiert.
Die Bach’sche Fugen komponiert.
In der sich ein Fraktal, stets neu gebiert,
sich Endlichkeit im Zahlenraum verliert?
Nein, das hat dich nie interessiert.
Was ist es dann, was dich verführt? “Mein Auto, mein Haus, mein Boot.” “Meins, meins, alles meins” – ich kenne Dreijährige, die haben die Phase schon hinter sich. Dein Haus ist zwar gut versichert, aber noch nicht abbezahlt und dein Boot ist ein Schlauchboot und das liegt noch unausgepackt im Keller. Keine Zeit gehabt und jetzt sind die Kinder wohl auch schon zu alt dafür.
Aber du drehst ja das große Rad und glaubst, damit etwas ungemein Wichtiges zu tun und denkst, dass du mit deinem Rad, mindestens die Welt am Laufen hältst. Und dann brechen Rad und Welt einfach in sich zusammen. Und dann machst du dicke Backen. Kaputt. Heile machen. Damit du weiter laufen kannst, denn du bist natürlich nicht nur ein einfacher Hamster. Du bist ein Rennhamster.
Meine Güte, wo willst du denn hin? Und ich frage mich wie weit wirst du gehen? Und das macht mir dann schon ein wenig Angst, denn deine Ideale hast du meistbietend verkauft und Ethik siehst du absolut wertfrei. Aber es ist ja auch mein Geld, das du da verbrennst und auch meine Welt, die du deinen Marktplatz nennst. Doch dir ist das egal, weil du einfach weiter rennst. Und nicht fragst, wohin. Hauptsache du hast dein Rad, dein Büro, den Computer und die Sekretärin. Und bei der wirst du sogar ab und zu auch mal zum Hasen. Und du erwartest nun, dass ich dich ernst nehmen soll. Dir dankbar bin und dich bewundere, für das was du tust?
Redest von blühenden Landschaften, hast aber selbst nie eine gesehen. Und dafür soll ich dich bewundern? – Würdest du eine ehrliche Antwort akzeptieren? Und da stehst du nun und unten liegt diese Stadt. Ganz weit weg. Und du bist ein Gewinner. Kein Wunder, wenn man selbst die Regeln macht. Du sitzt drinnen, in deinem Käfig aus Stahl und Glas und freust dich, dass du es warm und trocken hast. Die Welt ist draußen und du bist drinnen. Du bist drinnen, aber du bist draußen.
Du Scheiß-Hamster, du; Steige endlich aus dem Rädchen aus, krabbele noch bis zum Rande des Käfigs, leg dich dort in einen großen Haufen Sägespäne und schlafe mehr oder weniger glücklich über das geleistete Tagewerk ein. Träume, was Hamster eben so träumen.
Aber verdammt noch mal, träume nicht nur von der Freiheit, dem Leben, den Farben und der Leichtigkeit. Lebe Sie! Jetzt.
rebloggt von Hier schreibt Herr Brause.:
Diesen Artikel wollte ich nie schreiben. Vielleicht wäre es auch besser gewesen, ihn nicht zu schreiben. Aber Sie wissen ja, wie das ist. Oder nicht, aber das ist was anderes. Möglicherweise lösche ich ihn auch wieder.
Am Samstag war #koellesterin3, ein sogenanntes „Tweet-Up“, oder auch Twitter-Treffen. So viel habe ich vorher über Twitter-Treffen gelesen, Gutes und Schlechtes, Aufregendes und Ätzendes, da musste ich unbedingt mal hin.
…Wummmsss. Es ist mal wieder so weit; ich stoße beim Buddeln an die mir selbst auferlegte Grenzbefestigung von 300 Followings.
Zeit also erneut all den tollen Tweeps, die völlig zu Recht vor meiner Timeline-Tür warten, sagen zu müssen: “Sorry ihr Lieben, nicht böse sein aber der Bus ist nahezu voll. Bitte wartet auf den nächsten Halt, dort steigt sicher wieder jemand aus.”
Für mich ist dies jedesmal auf’s Neue ein schmerzlicher Akt. Aber warum diese Selbstkasteiung? Einige Gedanken hierzu einmal als Background.
Die Kriterien die ich bei der Auswahl derer, denen ich folge anlege, habe ich hier im Blog und auf Twitter mehrmals dargelegt. Diese möchte ich nicht wiederholen, nachlesbar sind sie u.a. in dem Blogpost “Vom faven, followen & applaudieren”.
Die Followings aber bilden meine persönliche Programmzeitschrift, die resultierende Timeline ist für mich die wesentliche Essenz aus Twitter: Das will ich auf jeden Fall lesen.
Und hieraus ergibt sich auch die für mich zwingende Notwendigkeit diese Timeline der Übersicht halber auf einen überschaubaren Rahmen zu beschränken. Ob dieser nun bei 200 oder 400 Followings liegt ist dabei eher meinem Bauchgefühl und der Antwort auf die selbstgestellte Frage “Was überblickst Du noch gerade so?” geschuldet.
Diejenigen, die “drin sind” verdienen jedenfalls aus meiner Sicht auch, dass Sie von mir wahrgenommen werden. Dies beginnt beim Lesen ihrer Tweets und endet oftmals bei meiner aktiven Interaktion in Form von Favs, Retweets, Pokalen oder halt auch mal einer Mention, wenn mich der Tweet geradezu “anstachelt”; Kommunikation mit der Timeline in diesen Facetten ist mir wichtig und ein elementarer Bestandteil meiner Art zu twittern.
Je mehr tolle Geschichten die Timeline aber schreibt umso schwieriger wird dieses Unterfangen. An anderer Stelle habe ich hier schon des Öfteren von dem Zwang zur Aufmerksamkeitsökonomie gesprochen, nicht nur aber auch bei Twitter (vgl. Always-on oder der aufmerksamkeitsökonome Twitterer). Es gilt wie im Reallife auch, die Zeitvampire im Zaum zu halten um diesem selbstgesteckten Anspruch gerecht zu werden.
Ich bin mir heute schon sicher, dass die derzeit von mir fixierte Grenze von ca. 300 Followings auf Dauer kein Dogma bleiben wird: Dies resultiert quasi zwingend aus der wachsenden Zahl von Followern. Und: Auf der Gegenseite kann es auch vorkommen, dass ich -wie an anderer Stelle beschrieben- durchaus auch einmal aus dargelegten Gründen entfolge, so dass ich freudigst in die Twitterwelt rufen kann: “Es gibt wieder Sitzplätze, bitte bewerben Sie sich!”
In diesem Sinne.
Ihr @Moltroff
Abenddämmerung, in einem menschenleeren Gebiet Floridas. Aus der Vegetation dringen Geräusche – vielleicht die eines Raubtiers? Ein Alligator, mögen Sie denken. Doch nein. Kein Alligator, keine Bärenmutter, kein Wildtier weit und breit. Vielmehr stammen die Geräusche von einem Wurmgrunzer – mit anderen Worten: von einem Menschen.
Es fürchtet sich der Regenwurm
vor jedem Regen oder Sturm.
Vom Erdreich kommt er hochgekrochen,
wenn leis die Tropfen darauf pochen.
Drum klopft die Amsel mit den Beinen -
und hofft auf Regenwurmerscheinen.
GESEHEN Quentin Tarantino’s geniales Epos ‘Django Unchained’. Ein gelungenes Stück Gesellschaftskritik, welches die Sklaverei in Tarantino’scher Manier ohne Filter und in voller Härte anprangert.
GEFÜHLT Es riecht heute erstmals nach Frühling, während ich mit Hund über die Felder laufe. Oder ist es eine Sinnestäuschung weil ich ihn so sehnsüchtig erwarte?
GEHÖRT Den Original Motion Picture Soundtrack zu ‘Django Unchained’. Ebenso geniale wie musikalisch vielfältige und extrem wandlungsfähige Reise durch den Film. Empfehlung.
GELESEN Carlos Riuz Zafón – Das Spiel des Engels (wieder auf dem Friedhof der vergessenen Bücher). Zafón wird immer besser, freue mich schon auf sein neuestes Werk ‘Der Gefangene des Himmels’.

GETRUNKEN Einen portugiesischen Quinta de Chocapalha Vinho Tinto 2007.
Dona Maria was für ein Tröpfchen.
GEGESSEN Pizza mit Rucola & Parmaschinken (anche preparato). #evening preview.
GEDACHT Frühlingskühle bläst Heizungshitze aus Poren und Geweben, die muffig und voller Tranigkeit an Körper und Geist haftete. Zwischen Bücherstapeln klemmt sich die Trübe ein, die Dunkelheit, der Stillstand, all das, was nun dem frischen Wind im Wege steht.
GEFREUT Mittags zum Geburtstagsbrunch bei Freunden, die man viel zu selten sieht.
GEÄRGERT Patriot-Einsatz in der Türkei: Mehrere Berichte lassen Zweifel aufkommen, ob die Bundeswehr überhaupt willkommen ist; es soll eine Kontaktsperre und Handgreiflichkeiten geben. Was sollen wir eigentlich dort?
GEWÜNSCHT Endlich ein Ende von Windpocken und grippalen Infekten unter unserem Hausdach. Dann Frühling.
GEPLANT Morgen Dienstreise nach Bad Lippspringe. Vielleicht bleibt mal ein Abend Zeit sich im nahen Paderborn umzuschauen, dass ich überhaupt nicht kenne.
GEKAUFT Rien du tout.
GEKLICKT Der Twitterstorm um #Amazon nimmt groteske Züge an. Dabei ist der Buchhändler nur ein Beispiel von vielen; Es stört mich, dass hier ein einzelner Arbeitgeber für gering Qualifizierte herausgepickt wird und an den Pranger gestellt wird.
Es gibt wirklich nichts was es nicht (schon) gibt. Warum sollte diese Phrase gerade im Umfeld von Twitter nicht gelten?
Inspiriert durch das gerade von mir gelesene Buch ” Das Spiel des Engels” von Carlos Ruiz Zafón und dem dort beschriebenen ‘Friedhof der vergessenen Bücher’ kam mir folgender Gedanke:
Was passiert eigentlich mit den unzähligen von begonnenen, dann aber nicht veröffentlichten Tweets die nie über die Entwurfsphase hinaus gekommen sind?
Wo landen also diese gesammelten Bonmots, Flüche und Ergüsse vielleicht auch Geständnisse oder einfach Unfertigkeiten, wenn man etwa am 140-Zeichen-Limit scheitert? Wohin mit all diesen unfertigen Tweetskripten, die nicht die übliche Smartness aufweisen?
Wäre doch lustig, wenn diese irgendwo -anonymisiert- beerdigt werden könnten. Quasi auf dem Friedhof der unveröffentlichten Tweets.
Dachte ich. Und fand heraus, dass genau diese Idee bereits im Netz existiert, ja sogar als Begräbnisstätte; Der Tweet Cemetery existiert bereits und wird auch genutzt. Aber keine Angst: Dort wird der Absender nicht bekannt gegeben, und @-Mentions werden aus den Tweets gelöscht. Man kann dort seine Tweets also begraben, ohne dass sie ganz verloren gehen.
Die Idee dahinter stammt wohl von zwei österreichischen Soziologinnen; Susanne Zöhrer und Jana Herwig vom Institut für Theaterwissenschaft der Universität Wien, die der witzigen Idee einen ernsten, soziologischen Hintergrund mitgeben. Laut Herwig ginge mit der Computerisierung der Gesellschaft eine starke Selbstdisziplinierung einher, die sich etwa auf Twitter ausdrücken würde; “Das zeigt sich daran, wie man sich selbst zensiert, indem man Tweets wieder löscht, die man gerade noch getippt hat.”
Wir sehen uns bei der nächsten Beerdigung.










