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Ein politischer Tweet und die Reaktionen: Die Saat des Bösen

Die Saat des Bösen 

Nachstehenden Tweet habe ich gestern gepostet. Er enthält einen Auszug (genauer den Beginn) eines Spiegel-Artikels zum Titelthema “Staat des Bösen” (Spiegel No. 24.2014 von letzter Woche) über das von der ISIS errichtete “Kalifat”.

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Der Tweet enthält keinerlei Beleidigungen, Verleumdungen oder ähnliche verletzenden Äußerungen meinerseits. Wiedergeben wurde nur, was die Spiegeljournalisten Markus Feldenkirchen, Christoph Reuter, Mathieu von Rohr, Jörg Schindler, Samiha Shafy und Christoph Sydow vor Ort erlebt haben und berichten. Der Tweet fordert meine Leser zum Nachdenken über die derzeit anstehende politische Entscheidung der Bundesregierung zu Waffenlieferungen an die Kurden auf.

 

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Soweit die Fakten.

Was mich – neben viel Zustimmung – dann über Twitter erreichte macht mir gelinde gesagt Angst; Da kommen die verbalen Einschläge deutschsprachiger Migranten (?) schon sehr nahe! Ich möchte keine Personen anschwärzen und bilde daher hier einige Replys mit tlw. geschwärztem Accountnamen ab. Fakt ist aber auch: Das sind nicht die persönlichsten Beleidigungen, die mich erreichten. Aber bitte urteilen Sie selbst:

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Mein erschreckendes Fazit: Von derart kruden Verschwörungstheorien zu einer islamistischen Grundhaltung scheint mir der Weg nicht mehr sehr weit. Auch nicht in Deutschland.

In diesem Sinne

Ihr Moltroff

 

 

Der sonntägliche Einwurf: Social-Penis

Meinen Twitterfollowern und Bloglesern mag ich heute aufmunternd zurufen:

Sie mögen sich derzeit vielleicht noch komplett bescheuert vorkommen, aber irgendwann wird das Feuilleton zu uns aufblicken und sagen: Wieso ist noch niemand anderes darauf gekommen, diese Social-Network-Kultur als riesigen Penis zu sehen, der uns gegen unseren Willen deepthroatet.

logoIn diesem Sinne,

ihr Moltroff

 

Moltroff’s kleine Minze-Melange

Minze-Mythologie

In der griechischen Mythologie verliebte sich Hades, der Gott der Unterwelt, in die Nymphe Minthe (Mintha), die Tochter des Flußgottes Kokytos. Verständlicherweise sehr zum Unwillen seiner Ehefrau Persephone, worauf die betrogene Gattin -man kennt das- wild vor Eifersucht die arme Nymphe Mintha zeriss. Hades verstreute die Teile auf einer Wiese voller Maulwurfhügel, aus denen dann duftende Minzen hervorwuchsen, auf einem sonnigen Berg östlich von Pylos in Messenien.

Genug des antiken Staubes.

Warum ich Minzer wurde

Vielleicht ist der mythologisch-prickelnde Hintergrund der sinngebende Background, warum ich in den letzten Jahren vernarrt in dieses Minze-Kraut (lat. Mentha) wurde. Vielleicht ist aber auch noch unentdeckter psychoaktiver Inhaltsstoff dafür verantwortlich. Man liest ja viel von Spice & anderen Kräutermischungsprodukten. :-) Wie dem auch sei, ich weiss es nicht.

Es ist jedenfalls ein “geiles” Kraut, das bei Familie Wurf auf unterschiedlichste Weise Verwendung findet: Im frisch aufgebrühten Minze-Tee ebenso wie im von mir geliebten Mojito-Cocktail, im abendlichen Gattinen-Hugo-Aperitif, in der Hausapotheke und im nächtlichen Aromakissen oder als Würzkraut in der Küche nur um einige Beispiele zu nennen – für Mentha gibt es bei uns unzählige Einsatzbereiche.

Und manchmal hänge ich auch einfach nur meinen Rüssel, Verzeihung die Nase in einen kleinen Mentha-Duftstrauß als anregendes Frische-Element. Effekt “schöner als kiffen”.

An dieser Stelle und in loser Folge in weiteren Posts möchte ich Ihnen ein wenig Appetit auf Minze in ihrer ganzen Vielfalt machen (die zahlreichen Arten und Sorten sind tatsächlich kaum aufzuzählen. Man vermutet, dass es weltweit über 50 verschiedene Minze-Sorten gibt). Alle von mir erwähnten Sorten wachsen bei uns im eigenen Garten. Und das Beste daran: Das Zeug ist völlig pflegeleicht und schießt eher mal ins Kraut, als dass es sich verabschiedet. Sonniger bis halbschattiger Standort passt immer. Also schaffen Sie sich ggf. breite Küchenfensterbretter an. Oder einen Garten. Am Ende des Posts finden Sie einige hilfreiche Links zum Thema Minze, dies erspart mir hier Pflege- und ähnliche Ratschläge.

Ok, los geht’s.

Meine Favoriten

1. Hemingway-Minze, Mojito-Minze (Mentha species ‘Nemorosa’)

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Diese -der Legende nach- aus dem Garten von Hemingways Lieblingsbar La Bodeguita del Medio in Havanna stammende Minze ist selbstredend im Mojito zu genießen. Aber nicht nur. Sie bietet einen sehr milden, aber durchaus kräftigen Minzgeschmack hat aber (wichtig!) einen geringen Mentholgehalt.

Bitte gestatten Sie einen kleinen Exkurs zu meinem Lieblingscocktail:

Mojito ist so ziemlich das absolute Gegenteil von Tee mit Rum, nämlich der perfekte Sundowner-Longdrink. Wie oben erwähnt, war er angeblich der Lieblingsdrunk von Hemingway; in Kuba ist Mojito eine Art Nationalgetränk. Bei mir auch. Die Philosophie des Drinks für revolutionäre Minimalisten liegt im Detail. Der Rum sollte unbedingt Havana Club sein (siehe unten). Bitte lassen Sie die Finger von Bacardi & Co.; dies wäre ein unverzeihlicher Stil- und Geschmacksbruch. Ähnlich penibel ist die Wahl des Zuckers – brauner Rohrzucker lautet hier das Diktat. Limetten, das sind die grasgrünen Zitrusfrüchte, geben ihren Saft dazu. Bitte niemals konzentrierten, konservierten Limettensaft verwenden, lieber im Winter mangels Limetten pausieren. Absolut unverzichtbar ist ein ausreichend langer Stängel frischer Hemingway-Minze, der kommt im Ganzen ins Glas und stellt die Dekoration. Zum Drink gehört ein kurzer Strohhalm, so dass die Nase förmlich in dem duftenden Minzezweig verschwindet.

Und so mixe ich den Mojito. Die Zutatenliste ist übersichtlich, finden Sie einfach ihre persönliche Mischung:

  • 2 Teelöffel brauner Rohrzucker
  • Saft einer halben Limette
  • 2-4 Minzzweige
  • 9 cl Mineralwasser
  • 5 cl Havana Club Añejo 3 Años
  • Eiswürfel

In ein hohes Glas geben Sie 2 Teelöffel Rohrzucker, den Saft einer halben Limette, 2-4 Minze-Zweige und zu 2/3 Mineralwasser (9 cl) Sanft umrühren. Als Minzjunkie stoße ich -im Gegensatz zu manchem Barkeeper- die Minze bewusst leicht mit einem Stößel um mehr Geschmack zu erzeugen. Nun den Havana Club Añejo 3 Años und die Eiswürfel hinzufügen. Gut umrühren. Dekorieren. Fertig.

So. Wenn ich ihnen nun keinen Appetit auf einen Mojito bereitet habe, nehmen Sie die Hemingway-Minze einfach für ihren Hugo, den spritzigen Aperitif aus Südtirol (Rezeptlink in Linkliste), durchaus auch mal in der alkoholfreien Variante (Selters statt Sekt); Mojitominze passt dort ebenso ideal. Hauptsache, sie lassen diese fertiggemixte Industrieplörre beim Discounter verwesen!!

Zu guter Letzt:

Praxistipp: Minze ernten

Minze können Sie die ganze Saison hindurch ernten. Dabei müssen Sie die Minze einfach mit der Haushaltsschere abschneiden oder abzupfen. Ich empfehle eine (größere) Ernte immer in den Morgenstunden, da alle Minze-Sorten dann am frischesten sind. Mein Tipp: Da die Minze in getrocknetem Zustand oftmals so einiges von ihrem jeweils typischen Aroma verliert, sollten Sie diese nach der letzten Ernte lieber einfrieren.

Demnächst hier: After Eight aus dem Garten: Die Schokominze (Mentha x piperita var. piperita “Schocko”). Lassen Sie sich riechen.
In diesem Duft-Sinne,

Ihr Moltroff

Linkliste

Pfefferminzmuseum Eichenau zur Pfefferminze in der Mythologie

Minze-Pflanzen – Anbau & Pflege der Pfefferminze

Lesenswert: Der alte Mann und die Minze; „My Mojito in La Bodeguita. My Daiquiri in La Floridata“

Empfehlenswertes Hugo-Rezept 

Das Universum besteht aus Tweets, nicht aus Atomen.

“Das Universum besteht aus Geschichten, nicht aus Atomen.” [Muriel Rukeyser]

Ich hoffe, sie nehmen mir das leichte Verbiegen dieses schönen Zitats von M. Rukeyser nicht krumm, aber es passt so wunderbar zu meinem Universum, das genau aus diesen atomar kleinen Geschichten in Form von Tweets besteht; aus 140-Zeichen-Text, selbst geschrieben oder von meinen Mittwitterern in die Timeline geworfen. Extrahiert aus Erlebnissen, Anekdoten über Hoden, Biographien zum entfliehen.

Dieses Twitter-Universum ist übervoll von Analogien und sobald ein neuer Reiz in Form von News, #Hashtags oder Ähnlichem eintritt, wird er sofort tausendfach widergespiegelt; Ich vergleiche das gerne mit einem Flipperautomaten, der sich ebenso bunt und laut gibt wie Twitter und dessen Bumper bei Kugelkontakt diese mit aller Kraft zurückschlagen. Ins Universum.

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In diesem Sammelsurium geht das Wenigste gänzlich verloren, zumindest bilde ich mir das an besseren Tagen ein. Irgendwer gräbt maulwurfartig alte Tweets wieder aus und wirft damit um sich (dafür gebührt sogar dem von mir hassgeliebten Favstar.fm ein wenig Dank).

Manchmal treffen so neue Tweetgeschichten auf alte und verändern diese unbewusst, manchmal decken sie unbekannte Aspekte auf oder beleuchten Ungesehenes. Alte Tweets zu einem Thema werden dadurch anders betrachtet, weil sie wie die erste Seite eines guten Buches sind. Man liest sie, findet sie gut und ahnt, dass noch ganz viele tolle Seiten folgen. So werden die Geschichten immer bunter, größer, tiefer, schlichter … schriller. Womöglich.

Ich twittere aus vielen Gründen aber regelmäßig hoffe ich mit meinen Tweets ein Lächeln ins Universum zu zaubern oder um es mit anderen Worten zu sagen, für jemanden ein Geldstück in den Flipper zu werfen, damit er schön bunt und laut ballert. Mir gefällt der Gedanke, dass meine Tweets Teil eines anderen Universums werden, dass sie etwas bewirken, eine Kleinigkeit nur und nichts, dass von mir intendiert ist. Wenn es nur ein kleiner Endorphinboost ist, ein unscheinbares Glied in einer Kette von Erinnerungen, ein Wort in einem Liebesbrief oder ein flüchtiger Gedanke vor dem Einschlafen, ein Laut des Trostes, ein wenig Halt vielleicht auch für mich selbst. Ja auch dafür twittere ich. Und vor allem für den Liebesbrief. :-)

Das Handwerkszeug ist dabei übrigens Nebensache; Manche haben es drauf, andere überzeugen allein durch die Geschichte hinter den 140 Zeichen. Oftmals finde ich das weniger mehr ist. Völlig verphraste und künstliche Tweets nerven mich. Ein Tweet muss für mich eine gewisse Leichtigkeit haben, dann lese ich ihn gern. Gefavt & retweetet wird was mir gefällt. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich hier schon erzählte.

Ganz in diesem Sinne,

Ihr Moltroff

 

 

Sozialbulemie: Twherapie unumgänglich

Die Ursachen für diese, sich in westlichen Gesellschaften explosionsartig ausbreitende, Krankheit sind nach wie vor nicht eindeutig geklärt.

Diesbezüglich im Gespräch sind neben neurologischen und genetischen auch soziokulturelle Aspekte sowie Störungen bei der Identitätsfindung.

Betroffene leiden häufig unter einer gestörten Wahrnehmung ihres sozialen Umfeldes: Trotz eines normalen Freundes- und/oder Bekanntenkreises empfinden sie sich als kontaktlos und sozial verarmt. So setzen bei ihnen im Rahmen ganz normaler Internetaktivitäten z.B. während der Büroarbeitszeit plötzlich Heißhungergefühle ein, denen in Form von sogenannten “Massenposting-Attacken” – vorrangig diskret ausgeführt auf nichtöffentlichen Toiletten – nachgegeben wird. Ein übermäßig schlechtes Gewissen, oftmals einhergehend mit dem Gefühl wieder “sternhagelvoll” zu sein, sind die Folge.

 

 

Um zu verhindern, dass Körper & Geist die ausgeschütteten Twhormone (teilweise werden bei solchen Anfällen bis zu 10.000 Facebook-Posts & Tweets freigesetzt) nicht verdaut und es damit z.B. zu einer unkontrollierten Follower-Zunahme kommt, wird künstlich Erbrechen (der Psychologe spricht von “Entfolgen”) herbeigeführt. Beschäftigen sich Patienten ausschließlich mit dem Themen Social Network, Instagram, Twitter, Facebook und Flicr und sind mindestens zwei Anfälle pro Stunde die Regel, spricht man vom Krankheitsbild der Sozialbulimie.

Es handelt sich also um eine Suchtkrankheit, die ähnlich schwierig zu behandeln ist wie Drogen- oder Alkoholmissbrauch. Für eine effektive Sozialbulimie-Twherapie ist es zunächst unverzichtbar, dass die/der Betroffene das eigene Verhalten als eine Krankheit anerkennt. Darüber hinaus muss sie bzw. er Hilfe annehmen und selbst die Initiative ergreifen wollen, um seelisch wie auch körperlich zu gesunden.

Je nach dem Schweregrad der Erkrankung und der persönlichen Situation des Betroffenen erfolgt die Twherapie ambulant, z.B: durch eine Social Media-Diät oder stationär in einer Fachklinik (im Twherapeutenjargon “Twitterklapse” genannt).

Bei beiden Varianten erfolgt zunächst die Anamnese, bei der unter anderem nach individuellen Ursachen für das Entstehen der Erkrankung gesucht wird. In der nun folgenden Entzugstwherapie erlernen Betroffene neben dem Wahrnehmen und Äußern eigener Gefühle auch den Umgang mit Krisensituationen wie z.B: Favstar-Offs, Shitstorms und Twitterausfällen.

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Besonders im Rahmen einer Verhaltenstherapie werden alternative Verhaltensweisen ermittelt, über die sozialer Stress abgebaut und Zufriedenheit erreicht werden kann, z.B. Gänseblümchen flechten oder ‘Grillen grillen’ – Kurse. Auch Selbsthilfegruppen wie “Opel-Omega-restaurieren-leicht-gemacht” können helfen, aus dem Teufelskreis der Sternchenjäger zu entkommen.

Mein Fazit: “Wer immer nur twittert und kotzt, hat nicht das Leben gefunden, das ihm schmeckt”

In diesem Sinne,

Ihr Moltroff

 

Nachsatz (bitte lesen):

Dieser Blogpost ist Satire.
Dennoch:  Was absurd klingt, ist bereits Teil der Realität, daher sollte der vorstehende Post auch zum Nachdenken anregen: Twitter & Co. revolutionieren nicht nur die Sprache, sondern auch das alltägliche Leben. Mal eben Social-Accounts checken oder die letzten News twittern, das nimmt einen immer größeren Teil des Tages ein. Problematisch dabei ist, dass Social Media deutliches Suchtpotential hat.

Die Social Media Experten von karrierebibel.de haben sich des Themas angenommen und augenzwinkernd eine Liste mit Symptomen für Social Media Sucht verfasst. Jeder, der auch mündlich im 140 Zeichen Stil kommuniziert ist danach der Twitter Sucht verfallen. Schließlich übernimmt er die Regeln des Micro-Blogging in die Realität. Gleiches gilt für alle, die sonntags keinen „Tatort“ mehr sehen können, ohne die Handlung parallel weiter zu twittern. Facebook-Addicts wiederum outen sich durch inflationären Gebrauch der Formulierung „I like“, um Wertschätzung auszudrücken. Gerne wird diese Äußerung noch mit einem hochgereckten „Facebook-Daumen“ kombiniert. Wer nirgendwo mehr hingehen kann, ohne bei Location Based Services wie Foursquare einzuchecken und in der eigenen Stadt weniger Sehenswürdigkeiten als kostenlose WLAN-Hotspots kennt, der ist vollends der Social Media Sucht verfallen.

Viele Betroffene bekommen depressive Verstimmungen, wenn die eigenen Tweets oder Statusmeldungen keine “Sterne” oder „Gefällt mir“ bzw. Kommentare erhalten.

Bitte reflektieren Sie einmal bei Gelegenheit ihr eigenes Verhalten :-)

Der Nachbarschafts-WM-Gau

Es war Weltmeisterschaft. Und es war erste Bürgerpflicht sein Fan-Sein auch physisch erhöht unter Beweis zu stellen, schließlich waren wir zumindest mental bereits Weltmeister.

Nein, Fan-atismus zeigt man keineswegs nur in Form von Rückspiegelkondomen und Haifisch-schwarz-rot-weiss-Flosse am Rumänen-SUV. NEIN!

Publich viewing“KOMMT ZUM PUBLIC VIEWING MIT DER NACHBARSCHAFT”
Am 26. Juni 17:30 Uhr, bei W….ers geht’s los.

Jeder bringt etwas zum Grillen & Getränke nach Wahl mit.

Liebe Grüße & Olé,

Eure Marianne & Bernd

lautete der in dreifacher Ausfertigung nebst Abriss-Anmeldezettel in den Briefkasten gestopfte Flyer der werten Umwohnenden (bitte sehen Sie es mir aus Gründen nach, hier kein Foto desselben abzulichten, mehr dazu nachstehend).

Olé“?  Wumm, diese Wucht im Abschluss hätte ich nicht erwartet. Man muss wissen, dass Marianne & Bernd keineswegs Nachbarschaft im eigentlichen Sinne sind; Sie sind eher Ortsteilschaft. Dennoch bekannt wie zwei rotbunte Dalmatiner in currywurstfarbenen Gummistiefeln. Quasi Ortnungsamt, Fanmeile & Zirkusdirektorium in einem. Aber liebenswert. Meistens.

Blöderweise erwischte mich Bernd, der gutmütige Adipositasjünger mit zertifiziertem Bitburger-0,33-Faible dann prompt tags zuvor beim Rasen mähen vor meinem Haus; “Kommt ihr aber auch morgen Abend zum WM gucken, ODER??!!”

Nun hatte ich, der sonst so vermeintlich Schlagfertige keine geniale Ausrede parat; nicht einmal unser übliches Vereins-Public-Viewing fand statt und konnte herhalten, da unser Vereinsheim mitsamt Schwimmbad gerade umgebaut wurde. Ich machte mir nicht die Mühe, den Mäher auszuschalten und rief ihm daher halb im Scherze über die Buxbaumhecke zu:

“Wer Weltmeister wird ist mir doch so egal wie eure dreckige Straßenrinne & verunkrauteten Vorbeete!”

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Diese Bemerkung brachte mir und meiner Familie einen langen, einsamen, sozial finsteren Winter ein. Im Juni.

Wir waren geächtet. Das hatten Bernd & Marianne W. schnellstens an Gartenzäunen und über Thujahecken hinüber kolportiert.

Keiner nahm unsere Pakete an, niemand bat uns, die Katze zu füttern, keiner wollte uns mit Salz oder Milch aushelfen, unsere Kinder wurden behandelt wie Zigeuneraufwuchs und durften keine fremden Tretautos mehr benutzen. Ich lies den Hund nicht mehr unbeaufsichtigt vor die Tür, musste man doch einen perfiden Giftanschlag mit im Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufenen “Wiesenhof-Bruzzlern” auf die treue Seele befüchten.

Etliche gefühlte Wochen später.

Er war ein strahlend schöner Tag, dieser 8. Juli. Als Deutschland im Halbfinale verlor. Gegen Kokslumbien.

Ich hisste schon morgens um 5:00 Uhr die Deutschlandfahne. Meine Familie war rehabilitiert. Jogi Löw trat um 13:00 Uhr zurück.

Status: Account closed for maintenance

closed for Maintenance

 

Vorab: Ich bin beeindruckt. Und ein bisserl gerührt.

Die zahlreichen, weit überwiegend positiven Reaktionen und Kritiken, aber auch die Bitten und Wünsche vieler Twitter-Follower auf Rückkehr, die ich hier, auf Twitter und per Mail, SMS, WhatsApp, Telefon (!) und diverse anderer Kommunikationswege erhalten habe, liessen mich in den letzten Tagen vermehrt grübeln;

Ist es fair eine Minderheit als Ursache für einen Twitter-Ausstieg verantwortlich zu machen, damit aber viele andere, treue Follower und Leser vor den Kopf zu stoßen? Und wen oder was ändere ich damit? Ich zweifele mittlerweile. Und habe mich daher nach reiflicher Überlegung zur Rückkehr entschlossen. Bald.

Der temporäre Ausstieg war nichtsdestrotrotz hilfreich. Einerseits, weil ich eine Diskussion, ein Nachdenken über den Umgang miteinander in diesem sozialen Netzwerk angestoßen habe; der relevante Blogpost wurde bis heute immerhin über 800 mal angeklickt. Hätte eine Twitterpause ohne Tweets dies auch erreicht? Ich weiss es nicht.

Andererseits bot mir die Auszeit fernab der Timeline die Gelegenheit, einmal über mein eigenes Twitterverhalten nachzudenken. Um zukünftig dort nachzujustieren.

Wie schrieb @Crooklynpippo so schön in seinem Kommentar: “Twitter funktioniert am besten wie eine permanente Gartenparty; auf manchen Parties hängt man ewig fest, weil sie gerade so geil sind, mitunter hängt die Stimmung, es langweilt oder nervt sogar oder man braucht selber mal ‘ne Auszeit, aber wirklich dauerhaft darauf verzichten möchte man auch nicht..”

Nun gut, ich werde mich zurück zu meiner “Gartenparty” buddeln, vielleicht muss ich nur etwas genauer über die Gästeliste nachdenken… :-)

In diesem Sinne bis die Tage,

Ihr Moltroff

Status: Twitter-Account deaktiviert

Ich habe meinen Twitter-Account am 18.6 deaktiviert.

Immerhin gelingt es mir heute mit etwas Abstand zu reflektieren wo die Gründe liegen.

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Warum? 

Auslöser war die hier schon einmal diskutierte Frage: Warum twittere ich überhaupt? Ist es die Resonanz auf meinen Microblog in Form von zahlreichen Followern (ungeachtet deren Follow-Intention)? Ist es der Spaß am 140-Zeichen-Schreiben oder ist es einfach dieses verrückte, kurztextkommunizierende Social Network? Nicht zu verleugnen eine von Psychologen vermutlich diagnostizierbare Katharsis (Reinigung) vom Reallife durch das Ausleben von Primärgefühlen zwecks Reduktion von negativen Emotionen wie Ärger, Stresswut etc. :-)

Und warum folge ich anderen Twitterern? Weil Sie gut unterhalten, Wissen vermitteln, mich einfach an ihrem Denken, ihren Spinnereien und ihrem Zweituniversum (genannt Reallife) teilhaben lassen? Vielleicht dienen Sie mir auch als Quelle der Inspiration für eigene Tweets.

Meine in den Twitterjahren gewachsene Intention liegt vermutlich genau dazwischen, die Wahrheit findet sich darunter. Ein Tweet von mir lautet in etwa “ich twittere nicht für ihr sondern mein Seelenheil”, was die reinigende, „kathartische“ Wirkung von Twitter grinsend beschreibt.

Neben allen diesen guten Gründen folgte ich Menschen auf Twitter auch, wenn ich feststellte, dass Sie ihrerseits ein aktives Following betrieben. Als Dankeschön. Meint; wer meine Tweets regelmäßig lass, gerne auch mal kommentierte, ab und an mal favte oder retweetete, reflektierte mir: “Schön geschrieben, hab mich gut unterhalten, gerne erzähle ich dir und meinen Followern davon”. Ein Fav ist für mich ein Zeichen des Dankes, quasi ein sternerner Smiley im Gesicht des Favers. In einem Retweet aber steckt mehr: Er ist auch ein Zeichen der Anerkennung für den Verfasser. Der Retweetende wirbt damit für den Autor.

Doch -oh Schreck- gibt es da möglicherweise noch ganz andere Facetten im Resonanzbogen des Folgens? Meine Beobachtungen kristallisierten vier Archetypen des Followers heraus:

1) Zunächst der Inaktive aus purer Nichtanwesenheit (respektive Nichtexistenz)
Geschätzte 90% meiner Follower waren nie oder sind nicht wirklich regelmäßig dort unterwegs, haben irgendwann einmal “reingeschnuppert”, auf Probe mitgeschwommen….und einfach ihren Account vergessen. O.k, Haken dran, dürfte jedem Twitterer so ergehen. 

2) Der lesende Feedbackverweigerer aus niederen Gründen :-)
Als da wären asoziale Wesen in einem sozialen Netzwerk, die Narzissten 2.0 (ich beschrieb sie hier) und die vermeintliche Twitterelite, die Kraft Amtes und Berufung verweigert.

3) Der Spontano
Der sympathische Follower-Urtyp: Liest, findet den Tweet unterhaltsam oder informativ, favt und/oder retweetet ihn, mal mehr, mal weniger, just easy doing. So wünscht sich vermutlich jeder seine Timeline.

So weit so gut. Aber die Twitterwelt besteht auch noch aus anderen, unschönen Facetten z.B.

4) Der berechnende Vielfaver
Er favt oftmals exzessiv, nahezu täglich zieht er seine Nachfav-Runde durch einen ausgewählten Kreis seiner Folllowings. Sein Motto: Fav ich dich, favst du mich! Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden; seine Zeit, sein Investment. Bittegerne. Schließlich ist vielfaven ja nichts Verwerfliches. Aber: Merkwürdigerweise retweetet er nie oder selten und wenn, dann mit viel Kalkül und überwiegend nur “Seinesgleichen”. Seine Überlegung? Ich spekuliere: “Ein Fav kostet ja micht nichts, retweete ich aber den (kleineren) Account lenke ich die Aufmerksamkeit von mir auf ihn! Das darf nicht sein, wächst er möglicherweise aufgrund meiner Werbung noch an mir vorbei…”

Sie glauben nicht, dass derartige Twitterkonsorten unterwegs sind? Ich könnte ihnen das Gegenteil belegen, werde hier aber niemanden bloßstellen. Finden Sie es heraus.

Ein Beispiel: Nachdem mir derartiges Verhalten schon seit längerem aufgefallen ist, habe ich mir einmal die Retweets meiner “besseren” respektive “gefeedbackten” letzten Tweets auf Favstar angeschaut: Wer retweetet mich? Die RT’s stammen zu ca. 15-20% von eigenen Followings und zwar weit überwiegend von kleineren Accounts. Mindestens 80% der Retweets stammen von Followern denen ich nicht folge oder Nichtfollowern. Retweets von “Vielfavern” der vorgenannten Spezies? Unter 1%.

Weil mich diese Berechenheit, dieses Kalkül-Twittern anwiderte  u n d  weil ich erschreckend feststellte, gelegentlich bereits in ähnliche Symptome zu verfallen, zog ich die Notbremse. Nein. Das ist nicht mehr mein Twitter.

Wie geht es weiter? 

Die Deaktivierung fällt nicht leicht und ist möglicherweise auch nicht von Dauer, wie mich die über andere Wege erreichte Fanpost nebst Beileidsbekundungen wissen lassen wollen <3.
Klar ist jedoch; wenn ich weitermache, werde ich mit Ritualen brechen. Back to the roots. Frischweg zurück zum Urtyp.

Dazu wird gehören, konsequent einige Followings zu beenden. Diejenigen, die mich aktiv begleiten (ob Follower oder nicht) werde ich wie bisher gerne per Fav, Retweet oder Pokal weiter empfehlen, ein Automatismus wird es nicht geben. Spass muss wieder in der pole position stehen. Und: Ich möchte nie wieder derart analytisch wie hier offengelegt in mein Twitter einsteigen und mich ärgern müssen.

So, jetzt ist der Wurf erschöpft.

In diesem Sinne ein schönes Wochenende,

Ihr Moltroff

 

 

 

 

 

#maFIFA – Ein kurzes Fan-Statement

Es ist eines der größten Sportereignisse weltweit und findet nur alle vier Jahre statt – umso größer ist bei vielen die Vorfreude auf die Fußball-WM in Brasilien, die kommenden Donnerstag beginnt. Doch: Die Verlierer der WM stehen schon vor dem ersten Torschuss fest: Die Unter- und Mittelschicht Brasiliens. Wenn ein fussballverrücktes Volk wie die Brasilianer das Randalieren anfängt, dann ist etwas faul im Staate.

 

Das mit 11 Mrd. finanzierte WM-Spektakel weist nicht nur auf einen einzelnen sozialen Missstand, z.B. den Mangel an bezahlbarem Wohnen, hin. Wer sich im Vorfeld auch nur ein wenig mit der Situation in Brasilien vertraut gemacht hat wird schnell erkennen: In Brasilien stimmt die gesamte soziale Infrastruktur nicht. Die Grundbedürfnisse Arbeit, Bildung und Wohnen werden nur sehr unzureichend oder gar nicht erfüllt. Wenn dann aber vom Staat viele Milliarden Dollar an Steuergeldern für ein sportliches Groß- bzw. Prestigeereignis ausgegeben werden, stößt das selbstverständlich nicht auf das Verständnis der Bevölkerung. Die Proteste sind nicht nur berechtigt, sie sind auch notwendig, um die brasilianische Regierung zum Umdenken zu veranlassen, sich angemessen um die sozialen Bedürfnisse der Bürger zu kümmern.

Es ist m.E. nicht akzeptabel, dass die FIFA in ihrer unendlichen Profitgier eine WM an ein Schwellenland mit derartigen Defiziten vergibt um noch mehr in ihre und die Kassen der örtlichen Nutznießer sowie weltweiten Sponsoren zu spülen, ohne dass die Bevölkerung (mit Ausnahme der kleinen Oberschicht) an dem Ereignis teilnehmen kann.

Als Fußballfan sage ich: Brecht diesen Wahnsinn ab bevor es zu spät ist und Tote zu beklagen sind; Hier stößt Reichtum auf Armut, Geld auf Korruption, Macht auf Ohnmacht.

 

#Mafifa

#Vergonha #FIFA2014 #Brasil #Mundial2014 #MaFIFA #FIFAGoHome #Corrupcion

Die vorstehende Collage wurde von mir entworfen. Das Original-jpg stelle ich gerne auf Anfrage zur Verfügung.

In diesem Sinne,

Ihr Moltroff

 

8 knallharte Fakten zur WM in Brasilien

  • Die Gesamtkosten für die teuerste WM aller Zeiten belaufen sich auf etwa elf Milliarden Euro. Allein in Stadien wurden acht Milliarden investiert. Angekündigt wurde von der Regierung eine Milliarde.
  • Die Fifa hat Sperrzonen rund um Stadien eingerichtet, in denen nur Vertragspartner ihre Ware verkaufen dürfen. Viele Straßenhändler verlieren ihre Verkaufsplätze.
  • Fifa-Vertragspartner wie Coca-Cola, Adidas oder Visa sind per Gesetz von Steuern befreit. Der brasilianische Staat profitiert nicht von ihren Gewinnen während der WM.
  • Die Fifa verdient an der WM insgesamt mehr als drei Milliarden Euro.
  • In Rio de Janeiro leben ein Viertel der etwa zwölf Millionen Einwohner in Favelas (Armutsviertel).
  • Einerseits schaffte es die Regierung der sechstgrößten Wirtschaftsnation die Armut in den vergangenen 20 Jahren zu reduzieren. Andererseits leben in Brasilien immer noch Millionen ohne ausreichend Einkommen, ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und ärztlicher Versorgung.
  • Hunderttausende Brasilianer gehen seit mehr als einem Jahr 2013 auf die Straßen und demonstrieren gegen Geldverschwendung, Korruption und die Macht der Fifa.
  • Für 3,1 Millionen zur Verfügung stehende WM-Tickets wurden elf Millionen Anfragen aus der ganzen Welt gestellt. Insgesamt gingen über eine Million Tickets an Brasilianer.

Sonnenstaub

Manchmal überkommt mich dieser Drang, einfach einmal nichts zu tun.

Also sitze ich seit einer halben Stunde an meinem Terrassentisch und bewache das Fortschreiten der Sonnenstreifen auf der Tischplatte.

Das Licht adelt alles, was es berührt. Das Holz, den Schnitt des Buches, den Griff der Henkeltasse, den duftenden Lavendeltopf und letztendlich wohl auch die verrinnende Zeit.

Sogar der Staub, der in der Luft schwebt. Es ist nicht wenig, in dieser Welt ein  Staubkorn zu sein.

Jetzt interessiere ich mich also für Staub.

Ich fürchte, ich muss aufstehen.

 

Moltroff ©

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