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#BILDBOYKOTT – Better bad publicity than no publicity?

Elton John ruft über Instagram zum Boykott der schwulen Modemacher von Dolce und Gabbana wegen einer angeblich schwulenfeindliche Äußerung auf. Doch -oh Schreck- etliche Menschen teilen in den sozialen Netzen die Ansicht von D&G und kaufen ihre Mode nun möglicherweise erst recht? Geniale Kampagne am Ende. Könnte man meinen.

Anderes Netz, anderes, weit weniger banales Thema dann vorgestern auf Twitter: Einige, so auch ich rufen u.a. über den Hashtag #BILDBOYKOTT zum Boykott der BILD-Zeitung, respektiere zum Nachdenken über die menschenverachtende Berichterstattung der BILD rund um den #Germanwingscrash auf. Ich belegte hierbei den geschmacklosen Rotz der Yellowpress zu Flug 4U9525 mit einem Link (ACHTUNG nicht anklicken, sicher ZUGRIFFSZÄHLER! :) auf die Onlineseite des Blättchens sowie einem Foto des BILD-Titels vom 28.03.2015:

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Und schon rotten sich die vermeintlichen Gutmenschen im Netz zusammen, die mir und anderen vorwerfen: “Ganz toll, macht ihr auch noch Werbung für diese Idioten!” Schnell wird entfolgt, geblockt und gehatet, immerhin weiß man dort ja die Faustregel “Better bad publicity than no publicity” auf seiner Seite.

Anders formuliert: Jede Publicity ist gute Publicity besagt zumindest die fragwürdige Faustregel im Titel dieses kurzen Blogposts. Ist dem so? Hilft jedwede Publicity, egal ob schlecht oder gut immer nur dem Auslöser? Ist schlechte Publicity sogar verkaufsfördernd?

Es gibt meines Erachtens kein klares Ja oder Nein. Aber eine Position dazu kann ich für Unverblendete anbieten.

Ich teile durchaus die Bedenken der Bedenkenträger, wäge aber in meinem Tun ab was die Alternative zu einem gepflegten Shitstorm bzw. Boykottaufruf wäre; Das Geschehen stillschweigen? (das Wörtchen Todschweigen verbietet sich mit Blick auf den Background nahezu). Die Yellowpress also “machen lassen”, menschenverachtende Berichterstattung als “gegeben” hinnehmen? Ich sage nein zu dieser Option.

Der Shitstorm ist für mich eine neue, militante Form der politischen Korrektheit. Nicht zuletzt entfaltet gerade die Auseinandersetzung in den„sozialen Medien“ eine unheimliche Dynamik. Und sie trifft diejenigen, die meine eigentliche Adressaten sind: Nicht die Redakteure dieses miesen Blättchens möchte ich wachrütteln, sondern die 2,2 Mio. Leser jeder Ausgabe sollen sich mit diesen Fragen konfrontiert sehen:

Wie weit darf Berichterstattung gehen?
Ist das noch mein Verständnis von ethischem Handeln?
Was kann ich als Leser dagegen tun?

Ich mache mir keine Illusionen; 2.198.000 Leser der BILD-Tagesausgabe werde ich weder über Twitter noch mit solch tiefgründigen Absichten erreichen. Dazu bedarf es auf Sicht etwas mehr Frischluft in den vernebelten Gehirnwindungen jedes Käufers. Aber wenn mittels einem Boykottaufruf nur einige Leser oder Händler erreicht werden – ich würde es wieder tun.

Und es funktioniert. Im Kleinen ja, aber ein Anfang ist gemacht, wie dieser Blogeintrag aufzeigt:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man liest sich. In diesem Sinne einen guten Start in eine kurze Osterwoche,

Ihr Moltroff.

 

Gestatten, Moltroff – Misanthrop in Teilzeit

Sonntag. 11.30 Uhr. Einladung zum Brunch bei guten Freunden. Sie feiert Ihren Geburtstag.

Du kannst dir ja leider nicht aussuchen, was sich sonst noch so an Menschsein ob der Ankündigung eines “südländischen Geburtstagsbrunch in unserer Küche” an Gesellschaft dann in besagter -wohlgemerkt bei normalen Traffic urgemütlichen Küche- zwischen Holzofen und Bügelbrettbuffet zusammenschiebt. Auf engstem Raume.

Und so sitzt du da, deine Gazpacho Andaluz schlürfend, eingeklemmt auf einer Biertischgarniturholzbank zwischen Menschen und musst zuhören.

Nein, leider nicht deiner guten Freundin und ihrem Gatten, mit denen man gepflegt über gemeinsame Südfrankreichurlaube schwelgen könnte – die beiden sind ja als Gastgeber quasi ‘out of order’. Stattdessen z.B. der Mitvierzigerin, “extra aus Burgsteinfurt-das-sind-300 km!” angereist, Typus ‘doof wie Kastenbrot vom Vortage, aber zu allem ungefragt ihren unqualifizierten Senf dazugeben’, obendrein aufdringlich, uninteressant und etepetete.

Oder mir schräg gegenüber dem Herrn Berufsschullehrer “seit 20 Jahren an der selben Schule” (und in den selben Schuhen), der mir sein Leid über Bildungsdeutschland ungefragt ins Ohr drückt. Ich kann ihnen sagen: Nach 15 Minuten Referat über das untergehende Abendland des Mathematikunterrichts, weiß man Altersgebrechen wie beginnenden grauen Star und Schwerhörigkeit erst richtig zu schätzen. Die anhängige Sippe aus Gattin und “Grundschulpädagogik studierendem Sohn” ist ähnlich gestrickt, allerdings gebildeter, teilweise schon intellektuell, aber stockkonservativ und sterbenslangweilig. Sogar das vermutliche Nesthäkchen der Familie “Sofie, ich gehe schon auf’s Gymi!” entpuppt ein altkluger Langweiler!

Während die Umsitzenden sich also mit abnorm veranlagter Gusto den TetrapakO-Saft in den guten Rieslingsekt (eigens vom winzernden Schwager der Jubilöse) kippen, dabei verstohlen ihren VERIFOX-Blick auf die BILD-App auf der Startseite ihres güldenen iPhone5 werfen (zur Newsbeschaffung, siehe oben) kommt mir der geliebte, gute, alte Schopenhauer in den Sinn. Und seine fabulöse Fabel von den Stachelschweinen:

Stachelschweine

Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich, an einem kalten Wintertage, recht nahe zusammen, um, durch die gegenseitige Wärme, sich vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln; welches sie dann wieder voneinander entfernte. Wenn nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher brachte, wiederholte sich jenes zweite Übel; so dass sie zwischen beiden Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.

So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder von einander ab. Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, und bei welcher ein Beisammensein bestehn kann, ist die Höflichkeit und feine Sitte. Dem, der sich nicht in dieser Entfernung hält, ruft man in England zu: Keep your distance! (Wahren Sie den Abstand!) – Vermöge derselben wird zwar das Bedürfnis gegenseitiger Erwärmung nur unvollkommen befriedigt, dafür aber der Stich der Stacheln nicht empfunden. – Wer jedoch viel eigene, innere Wärme hat bleibt lieber aus der Gesellschaft weg, um keine Beschwerde zu geben, noch zu empfangen.

Ich muss eingenickt oder tief in misanthropen Gedanken versunken sein. Jedenfalls schreckte ich hoch, als Madam Burgsteinfurt mit ihren Stacheln (oder waren es die Holzspiesschen der Käsewürfel?) vor mir rumfuchtelte “WILLST DU AUCH KÄSE?”. Nein ich wollte nicht. Oder um es einmal mit den Worten des preisgekrönten Lyrikers Axl Rose zu sagen: “Get in the ring, motherfucker, and I’ll kick your bitchy little ass!”

Und dann war’s 15:00 Uhr. Over and out.

Einen schönen Restsonntag noch,

Ihr Moltroff.

Ein Blick zurück nach vorn: Warum es mit #madebytwitter kein Printprojekt geben wird

Es hat sich mittlerweile auf Twitter sicher herumgesprochen, dass wir Ende 2014 mit #madebytwitter einen beachtlichen Erfolg im Kampf gegen den kommerziellen Tweetklau durch die Made My Day GmbH errungen haben. Dies möchte ich hier nicht mehr en detail vertiefen, nachlesen dürfen Sie alles hierzu gerne in den unten angegebenen Links zum Thema. Zwei letzte Anmerkungen einen Monat nach unserem “Sieg” bleiben hier dennoch nachzureichen bzw. sind wir allen Supportern und Mitstreitern schuldig.

1. Die Reaktion von Made My Day

Herr Bitschnau, der CEO von Made my Day hatte am 23.12 eine vorweihnachtliche Eingebung oder auch nur die Hose voll, eröffnete einen Twitteraccount und twitterte dies. Es blieb sein bisher einziger Tweet. Wen es interessiert, findet in den comments und replys zum Tweet einiges Erhellendes zu Motivation und Geschäftsmodell dieser obskuren GmbH. Ich möchte dies hier nicht mehr weiter vertiefen. Zumindest nennt seither immerhin die Facebookseite bei vermeintlich von Twitterern stammenden Sprüchen den @Autor (ob die Facebookergemeinde allerdings weiß, das dies der Bezug zu Twitter darstellt?).

Ferner erhielt ich am 21.12. eine Mail eines “C.”, bzw. laut eMail-Adresse eines “Donald R. Jones”, der sich als Insider darstellt und Wüst-Diffuses zu berichten weiß. Lesen Sie hier selbst und bilden sie sich eine Meinung zur Identität des Autors und seinen Auslassungen.

2. Die Reaktion des Riva-Verlags

Nun hatten wir -wie berichtet- in den Verhandlungen im Dezember mit dem CEO des Riva-Verlages eine Rücknahme des Buches und das Einstampfen der Erstauflage von 10.000 Exemplaren vereinbaren können, was der Verlag auch am 19.12. über seinen Twitteraccount kommunizierte. Dort stellt der Verlag ebenfalls ein Charity-Projekt mit Twitterautoren in Aussicht, dass der Riva-Verlag gerne -als Ausgleich für die den “Ärzte der Welt” entgangenen Erlöse aus dem strittigen Buch- mit dem #madebytwitter-Team als Promoter initieren möchte.

Die Erklärung des Riva-Verlags vom 19.12.2014 auf Twitter

Die Erklärung des Riva-Verlags vom 19.12.2014 auf Twitter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu diesem Charity-Buchprojekt hatten wir in den Verhandlungen bereits deutlich gemacht, dass der erste Schritt -die Buchrücknahme- zunächst vollumfänglich erfolgt sein muss um über einen zweiten Schritt in Form eines Charityprojekts #madebytwitter- nachzudenken; Unsere Skepsis war groß, dass der Verlag sein Fehlverhalten durch diese Promotionaktion letztendlich kaschieren will.

Um so genau registrierten wir, dass das Buch “Ich brauche einen neuen Wecker. Meiner klingelt immer, während ich schlafe” um die Jahreswende und bis heute immer noch in Buchläden (z.B. der DBH-Gruppe, Hugendubel, Habel, Weltbild, Wohlthat, Jokers) und diversen Online-Händlern verfügbar und bestellbar ist. So z.B. bei Libri.deBücher.de , Weltbild.de, Hugendubel.de , Thalia.deBuch24.de, Buch.de und einigen anderen Portalen. Auf meine Nachfrage beim Verlag, erhielt ich vom CEO folgende Info per Mail:
“Wir haben wie versprochen den Verkauf sämtlicher Bücher gestoppt, die in unserem Einflussbereich liegen. Das bedeutet, wir liefern das Buch nicht mehr aus und haben auch alle Bücher, die noch uns gehören (z.B. Kommissionslager bei Amazon) zurückgeholt. Bücher, die Buchhändler gekauft und bereits bezahlt haben, gehören den Buchhändlern und nicht uns.”

Spätestens mit dieser Einlassung des Verlags manifestierte sich bei uns endgültig die Erkenntnis, den “Rückruf” des Buches durch den Verlag auf Twitter etwas naiv als “das Buch vom Markt nehmen” interpretiert zu haben. Nun zeigte sich der feine aber für uns maßgebliche Unterschied; Eine Remission verkaufter Bücher beim Buchhandel durch den Riva-Verlag aufgrund der massiven, durch uns belegten Urheberrechtsverletzungen hat nicht stattgefunden. Es gibt weder ein entsprechendes Informationsschreiben des Verlages an die Buchhändler noch eine mögliche Rückrufinformationen zum Buch via Verbandsorgan Börsenblatt.

Wir haben viel erreicht und ich bin davon überzeugt, dass zumindest bei den aktuell Beteiligten ein Nachdenken zum Thema “Kommerzielle Verwendung von geistigem Eigentum aus der ergiebigen Quelle Twitter” in Gang gesetzt wurde. Dennoch ist es zuweilen ein Kampf gegen Windmühlen, wenn man sich auf Facebook-Seiten mit gewerblichem Impressum umschaut, die mit System und Dreistigkeit Twitter und Tumblr für Ihren Webauftritt melken. Nicht zuletzt hinzu kommt, dass das überwiegend ignorante Verhalten der Twitter-Community wenig Motivation erzeugt, hier den nächsten, letztendlich konsequenten Schritt einer juristischen Klärung des Themas “Schöpfungshöhe von Tweets” herbeizuführen.

Eine juristische Auseinandersetzung respektive eine einstweilige Verfügung zwecks Rückruf der -an den Handel verkauften- Bücher wird es daher nicht geben. Was bleibt ist ein schaler Beigeschmack des Erfolgs, aber damit kann ich leben.

In diesem Sinne,

Charlie Hebdo – Ein ganz kurzer EinWurf > 140 Zeichen

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Die Absurdität der aktuellen Diskussion in Medien und sozialen Netzwerken nach dem perfide-brutalen terroristischen Anschlag auf die Pressefreiheit unter den hashtags #JeSuisCharlie und #charliehebdo liegt für mich insbesondere darin, daß von ‘Gutmenschen’ und ‘Totaltoleranten’ jetzt Respekt ausgerechnet für die ‘religiösen Gefühle’ von islamistischen Fundamentalisten eingefordert wird, die selbst null Respekt gegenüber Andersdenkenden haben.

Ein Papst wie man sich Jesus 2.0 vorstellen könnte

Ein kurzer Gedankengang zu Papst Franziskus, dem Unruhestifter Jesus und jenen, denen beide noch heute in die Quere kommen.

Vorab, ich bin nicht tief gläubig. Auch habe ich mit der katholischen Kirche schon seit langer Zeit nichts mehr am Hut. Aber spätestens nach der furiosen Rede dieses Jorge Mario Bergoglio, seines Zeichens Papst Franziskus und damit Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche sowie Souverän des Vatikanstaats in der er das kirchliche Führungspersonal geißelte, nötig dieser kleine große Mann mir uneingeschränkten Respekt ab.

Vor Kardinälen und Bischöfen geißelte er dieser Tage allgegenwärtige Arroganz und Eitelkeit, Tratschsucht und Karrierismus beim kirchlichen Führungspersonal, wie einst Jesus es gegenüber den selbstgerechten, heuchlerischen Pharisäern tat. Nachlesbar im Neuen Testament der Bibel, Evangelium Lukas (Lk 18,9–14 EU).

Eine Krankheitsdiagnose in 15 Punkten, die in ihrer Präzision jedem Allgemeinmediziner Respekt abnötigen sollte.

Schaue ich mir Franziskus näher an, fallen mir immer wieder Charaktereigenschaften ins Auge, die auch diesem Jesus aus Nazareth uneingeschränkt zugeschrieben werden können; Beide gelten als bescheiden, aber auch als entschlossen und durchsetzungsstark. Eher asketisch lebende Männer, stille Intellektuelle, wortkarg und medienscheu. Aber wenn es um ihr Anliegen geht, könnte ich mir beide bei “Menschen bei Maischberger” zum Thema “Alzheimer, Schizophrenie, Geschwätz in der Amtskirche” vorstellen, engagiert diskutierend.

Das jetzt einige im kirchlichen Establishment den Kopf angesichts der drastischen Wortwahl schütteln, heißt nicht, dass diese Botschaft nicht angekommen sein dürfte. Aber dieser Papst redet nicht nur, sondern handelt auch, Und provoziert mit seinem starken Reformwillen Widerstand in der Kurie, in der Vatikanverwaltung und anderswo bei Würdenträgern der katholischen Kirche.

Insofern verstehe ich diese schonungslose Kritik auch als Hilferuf des Franziskus; “Ohne die Unterstützung aller Christen schaffe ich es nicht, diese in Borniertheit erstarrte, um ihrer selbst Willen existierende Amtskirche, repräsentiert durch den Vatikan, zu reformieren.”

Papst Franziskus

Man muss daher auch ein wenig Angst um diesen mutigen Mann haben. Auch Jesus wurde aus dem engsten Kreise seiner vermeintlichen Anhänger verraten. Den Ausgang der Geschichte kennen wir.

Und es scheint mir wichtig, zu begreifen, dass Jesus viel radikaler und revolutionärer gewesen ist, als die meisten ihn verstehen. Wenn wir nichts über Jesus wüssten, als dass er gekreuzigt wurde, wüssten wir genug. Denn eine Kreuzigung war eine Strafe, die Rom ausschließlich für solche vorsah, die Gewalt gegen den Staat ausgeübt hatten, dazu zählten Aufständische oder Rebellen. Wer also daran glaubt, dass Jesus gekreuzigt wurde, muss damit zugleich einräumen, dass er wegen einer Rebellion gegen den Staat ans Kreuz geschlagen wurde. Auch er wollte die etablierte soziale Ordnung auf den Kopf stellen, er predigte, dass die Reichen arm werden sollten, und die Armen sollten reich werden.

Aber was der historische Unruhestifter Jesus im Gegensatz zum heutigen Papst seinerzeit nicht hatte, war weltweite Öffentlichkeit; Ein Internet, dass im helfen konnte seine Sache publik zu machen war noch nicht erfunden. Würde Jesus heute leben, wäre er ganz sicher in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook aktiv. Damals hieß seine Facebook-Fangemeinde noch “Apostel”. Und denen würde er heute vielleicht auch über seinen Twitteraccount posten: “Hallo Jungs glaubt mir, dieses Internet ist kein neumodischer Schnickschnack, sondern eine Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die wir sonst vielleicht nie erreicht hätten!”

Auch Papst Franziskus hat einige wichtige Bemerkungen über Einkommen, Gleichheit und unfairen Kapitalismus gemacht. Einige Politiker z.B. in den USA, Republikanerin & Teapartydame Sarah Palin inbegriffen, haben den Papst für diese Bemerkungen hart kritisiert.

Meine ganz persönliche Weihnachtsbotschaft lautet daher: “Hey, katholische Amtskirche, Politiker, Christen; wenn ihr ein Problem damit habt, was der Papst sagt, habt ihr ein Problem mit Jesus!”

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein besinnliches Weihnachtsfest,

Ihr Moltroff

P.S. – 18.01.2015

Integrität und Ehrlichkeit sind Papst Franziskus eigen. Leider auch zu Themen, die in keinster Weise meine Zustimmung finden. So auch bei seinem aktuellen Besuch auf den Philippinen, wo er bei einem Treffen mit Familien die katholische Lehre gegen künstliche Verhütung verteidigte; Die Familien müssten die “Heiligtümer des Respekts für das Leben” sein, sagte Franziskus. Hoffen wir, dass er diese Lehre mit Blick auf die Bevölkerungsexplosion gerade in katholischen Ländern wie den Philippinen während seiner Amtszeit überdenkt und korrigiert.

In eigener Sache – Ein Epilog zu #madebytwitter

Das Team von #madebytwitter zu dem ich mich zähle darf, hat einen tollen Erfolg im Kampf gegen kommerziellen Tweetklau durch die Made my Day GmbH errungen.

Dass wir nach langen Verhandlungen, endlosem Schriftverkehr, akribischen Buch-Recherchen und langen Telefonaten den CEO des RIVA-Verlages von einer Rücknahme des Buches und Einstampfen der Erstauflage von 10.000 Exemplaren überzeugen konnten (und nur hierum ging es), ist der Verdienst des Teams und dem Teil der Twittergemeinde die durch ihre Publicity die Kampagne unterstützte.

Es lag dabei nie in meiner Absicht, zum Protagonisten dieser Kampagne zu werden, dies ergab sich in den letzten beiden Wochen. Auch, weil einige Mitstreiter sich aus verschiedenen persönlichen Gründen zurückzogen oder in den aktiven Hintergrund traten. Vielleicht haben blinde Maulwürfe auch das schärfere Gebiss. Ich weiß es nicht.

Das während der Kampagne nicht immer alle Twitterer einer Meinung waren, zeigen z.B. verbale Tiefschläge in Tweets & Blogs gegen die -nach meiner Überzeugung- zwischen alle Fronten gerade, untadelige NGO Ärzte der Welt, die vom Herausgeber des Buches, Herrn Bitschnau die „Autorenerlöse“ zugesagt bekommen hatte. Die Angriffe gegen die Organisation finden wir sehr bedauerlich und dies ist auch ein entscheidender Grund, warum wir mit dem Verlag vereinbart haben, zu prüfen, inwieweit ein gemeinsames karitatives Buchprojekt im nächsten Jahr die entfallenen Spendenerlöse doch noch generieren kann. Sollte sich diese Absicht in den nächsten Wochen festigen, werden wir hierzu einen transparenten Dialog auf Twitter führen, wer-wie-wann-in welcher Form beim Projekt mitmachen kann; Ich denke, es sollte prinzipiell für alle Twitterer offen sein.

An diesem Punkt wäre unser schöner Erfolg zu feiern gewesen, wenn nicht ein -durch wenige Einzelne losgetretener- Shitstorm auf Twitter den vermeintlichen Protagonisten der Kampagne, also mich ins Zwielicht gerückt hätte. Und damit die Kampagne ebenfalls beschädigte.

Gerade deswegen bin ich ein offenes Wort hierzu insbesondere meinen Mitstreitern und Followern schuldig:

Mit konstruktiver Kritik kann ich umgehen und diese ist immer legitim. Insbesondere dann, wenn man wie ich mit seiner Meinung und Person polarisiert. Wenn der Kern der Kritik sachlich bleibt, wie es auch dem von mir geschätzten @Doktor_FreakOut in seinem Blogpost gelungen ist, sehe ich auch gerne über gelegentlich aus meiner Sicht falsche Wortwahl wie “an Fanatismus grenzende Beharrlichkeit” oder “Sau durch die Gassen treiben” hinweg. Immerhin wühle ich nicht im Schlamm sondern grabe darin;)

Was jedoch bei Überschreiten meiner Schmerztoleranz-Schwelle zu Kopfschütteln, Wut und Gegenreaktionen führen kann, sind die mir und anderen widerfahrenen, teilweise anonymen Drohungen auf Twitter und per eMail, desgleichen Beleidigungen der übelsten Art und -was mich besonders in Rage versetzte- Drohungen respektive Erpressungen gegen meine Follower u.a. per DM (“…Wenn du ihn nicht entfolgst, entfolge ich dich..“). Wohlgemerkt also nicht nur durch den vermeintlichen Gegner sondern dolchstoßartig aus den eigenen Twitter-Reihen. Mit hasserfüllten Menschen führe ich auf deren verbaler Ebene keinen Dialog. Und ich blockte diese und ihre Retweeter (auch den Doktor) temporär um Ihnen in meiner Timeline keine Plattform für ihren Hass zu bieten. Und um mein Nervengerüst zu schonen.

Haten macht manch einem Spass

Haten macht manch einem Spass

Man versucht mich mit Preisgabe meiner Anonymität zu erpressen

Man versucht mich mit Preisgabe meiner Anonymität zu erpressen

Man vergleicht mich mit Kinderschändern

Man vergleicht mich mit Kinderschändern

 

 

 

 

 

Ok, aber was ist nun konkret an den Vorwürfen des „Tweetklau“ dran? Nun, die Fakten stimmen zunächst: Die kritisierten Tweets tauchen zeitlich früher bei anderen Accounts auf. Aber habe ich dort geklaut? Bin ich gar ein dreister Tweetplagiator?

Ich darf mit wesensfester Stimme behaupten: Niemals würde ich Tweets anderer Twitterer wissentlich wiederverwenden, ach was, sagen wir ruhig klauen!

Aber: Ich lebe weder in Kunststoffkapsel namens „Rosetta“ in den Weiten des unwirtlichen Weltalls noch in einer schneegefühlten Glaskugel sondern hier auf und unter Erden zwischen Menschen, Massenmedien und Misswahlen.

Und überall dort schnappe ich als ein Freund guten Humors tagein, tagaus vieles auf: Angefangen vom banal-genialen Witzchen am Stammtisch meines Vereins über die umwerfend erheiternde, beiläufige Aussage eines Bela Rethy während der Kommentierung des Bundesligaspiels „Stolperer FC gegen Dynamo Kreisklasse“  bis hin zum herrlich-geistreichen Bonmot aus einem von mir gelesenen Buch, das mir ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert. Ich genehmige mir seitdem ich twittere die Freiheit, diese Fragmente gelegentlich auch in meiner TL wiederzugeben um meine Follower daran teilhaben zu lassen. Und manchmal wandele ich diese -zum besseren kontextfreien Verstehen- auch ab, wie diesen -ursprünglich von Karl Kraus stammenden Satz aus 1912. Aber was ist mit der korrekten Quellenangabe? Ja, diese hätte sicher beispielhaft lauten können:

- (Von meinem Freund Heinz 17.03.2014 in der gemischten Sauna erzählt.)

- (am 27.05.2012 um 19:51 Uhr in der ARD-Sportschau so ähnlich von Herrn Rethy dargeboten, von mir leicht abgewandelt)

- (aus “Haus- und Gartenmagazin”, Ausgabe 7/14, Seite 27, letzter Absatz)

Sie merken, ich überzeichne bewusst. Aber fragen wir uns hierzu; Wann ist eine Quellenangabe wirklich noch sinnvoll und notwendig? Wann ist ein Maß an Schöpfungshöhe erreicht, das einen Urhebernachweis alleine schon aus moralischer, wenn nicht aus juristischer Sicht zwingend macht? Wohlgemerkt ich spreche hier nicht vom gedruckten und mit Urheberangabe versehenen Text eines Dritten. Und – Herr Doktor_FreakOut hat diese Frage bereits in seinem Blogpost aufgeworfen – hat möglicherweise gar der twitternde Erstschreiber (ich verzichte ausdrücklich auf die Bezeichnung “Urheber”) möglicherweise den Einzeiler ebenfalls irgendwo gehört oder gelesen und nicht selbst erdacht? Ich stelle anheim: Wer niemals auf Twitter Aphorismen oder Sprüche der oben beschriebenen oder vergleichbarer Herkunft von sich gegeben hat, möge den ersten Stein nach mir werfen.

Kurzum: Nicht jeder meiner Tweets wurde im Frontallappen meines Wurfhirns gezeugt und anschließend auf Twitter geboren. Es sind definitiv auch künstliche Befruchtungen darunter. Und ich setze darauf, dass mir jeder Follower Bescheid gibt, wenn ich einen Tweet veröffentliche, den es bereits gab. Schlussendlich gerade zu rücken bleibt, dass der weit überwiegenste Teil meiner bisherigen > 40000 Tweets leider doch aus den kruden Tiefen meines Stammhirns stammt.

Aber ich habe gravierende Fehler gemacht indem ich beim twittern in vorbezeichneten Fällen nicht immer sorgfältig genug recherchierte ob ein Tweet bereits in ähnlicher Form existierte. Und ich habe dem Shitstorm nicht rechtzeitig Gewicht beigemessen und den Dialog zu Kritikern gesucht (nicht zu Hatern). Das tut mir leid.

Es erscheint mir aber ein geradezu absurder Vorwurf, ich hätte „Beweise“ vernichtet (Zitat Doktor_FreakOut „Eine reine Weste dank dem Einsatz von hochkonzentrierter Chlorbleiche“), weil ich die in Frage stehenden Plagiate unverzüglich löschte. Was hätte ich stattdessen tun sollen? Sie stehen lassen? Als Mahnmal gegen und Beweis für meinen „Tweetklau“? Sorry, aber denken Sie doch bitte mal nur einen Moment über die Alternativen nach.

Gedanklich aber noch einmal kurz zurück zum Anliegen von #madebytwitter: Wir prangern kommerziellen Tweetklau durch Dritte an. Meine Art zu twittern mag man finden, wie man möchte – aber mir ging es bei Twitter nie darum, Geld zu verdienen (wie auch?). Ich halte es für einen sehr gravierenden Unterschied, ob ich fahrlässig etwas schreibe, was bereits ein anderer vor mir veröffentlichte, oder ob eine GmbH als Geschäftsmodell ausruft, massenweise Leistungen anderer zu kopieren, um damit Geld zu verdienen. Es sollte auch meinen Kritikern gelingen, zwischen vorgenannter Art zu twittern und einem mit kommerziellen Interessen behafteten Buchtitel zu differenzieren. 

Ich habe aus diesen nervenaufreibenden Tagen neben viel positivem Zuspruch auch mitgenommen; Man kann auf Twitter von heute auf morgen zum Misanthropen werden, zumindest aber den Spass an einer doch so wunderbaren Art des Microblogging verlieren.

Das macht mich nachdenklich, jeder sollte mit seiner Zeit tun und lassen können, was er möchte. Dazu gehört für mich nicht, sie zu vergeuden. Was mir hier alleine im Zuge von #madebytwitter begegnete, war viel schlecht verpackter Zynismus, viel schlecht kaschierter Neid, viel sinnlose Klugscheißerei, viel Resignation und vor allem viel Nase rümpfende Attitüde nach dem Motto “Was denkt ihr kleinen Würstchen denn, was ihr erreichen könnt, die sitzen eh am längeren Hebel“. Der Shitstorm mir gegenüber setzt hierzu nur noch den unrühmlichen Schlussakkord: Mein Bedarf an sozialen Hetzwerken ist zunächst einmal gedeckt.

Ich wünsche Ihnen besinnliche Festtage im Kreise ihrer Lieben. Kommen Sie gut nach 2015.

Ihr Moltroff

#madebyUS

Der Moltroff:

Zum Thema #madebytwitter einen nachdenklich stimmenden Blogpost meiner Bloggerkollegin Meg

Ursprünglich veröffentlicht auf Meg:

Es gibt einige Fakten, die ich im Laufe meines Lebens über Toleranz gelernt habe. Unter anderem, dass der Mensch grundsätzlich durchaus tolerant und neugierig ist. Bis zu dem Moment, indem er mit dem einen, bestimmten Thema konfrontiert wird, welches ihn an Gabelung des Toleranz-Weges bringt. Der Fußball-Trainer meines Bruders war stets sehr “tolerant” im Hinblick auf Homosexuelle in der Bundesliga, bis sich einer seiner Spieler outete. Das Ergebnis war, dass dieser junge Mann solange auf dem Feld noch mit “Scheinaufgaben” beschäftigt wurde, bis alle anderen geduscht haben.

Mit 13 Jahren kam ich auf eine deutsche Realschule. Nachdem sich meine Mitschüler davon überzeugt haben, dass auch ich zu der Spezies “Mensch” gehöre und aufrecht laufen kann, akzeptierten und tolerierten sie mich. Das dauerte exakt so lange, bis ich in Deutsch meine erste “1” schrieb und mein Lehrer der Klasse einen Vortrag über faule Deutsche und fleißige Ausländer hielt. Ihr könnt mir…

Original ansehen noch 947 Wörter

Ruined my day, again

Der Moltroff:

#Neues zu #madebytwitter von meiner Bloggerkollegin ndblckmlk. Prädikat: Lesenswert!

Ursprünglich veröffentlicht auf ndblckmlk:

Shitstorms sind ein alter Hut, darüber wurde schon alles gesagt.
Ein anderes Phänomen des digitalen Lebens sind Menschen, die sich einfach über alles aufregen. Deren Motto lautet:

“Ich weiß nicht worum es geht, aber ich bin dagegen!”

Nun gibt es diese Spezies schon immer, offline sehr gerne an Stammtischen oder in anderen geselligen Kleingruppen, wo man sich austauscht, ins Reden kommt und sich die Gemüter erhitzen.
Im WWW ist diese Sache noch verlockender, kann man dort doch seinen aufgestauten Frust praktischerweise unter dem Deckmantel der Anonymität loswerden. Nicht selten werden hier Meinungen kundgetan, mit denen man in face-to-face-Gesprächen tunlichst hinterm Berg halten würde. Und dazu bedarf es keiner späten Stunde oder alkoholischer Getränke. Ranter sind einfach feige und eine Auswirkung der digitalen Gesellschaft, mit der wir leben müssen.

Vor einigen Tagen hat sich eine kleine Gruppe gebildet, in deren Zentrum der aktive Twitterer @Moltroff steht. Man will unter dem Titel…

Original ansehen noch 197 Wörter

Gedankenhehlerei – #madebytwitter zwischen Urheberrecht und Schöpfungshöhe

Das Thema Gedankenhehlerei in Form des kommerziellen Tweetklaus ist weiterhin unter dem Hashtag #madebytwitter in den Twittertrends.

Und auch von mir gibt es bereits zwei Blogposts hierzu. Hier nun mein Versuch etwas Licht in die juristischen Fallstricke des Urheberrechts zu bringen, und zwar möglichst ganz ohne moralinsaure Betroffenenbrille. Aber vorab eine Warnung. Sie brauchen etwas Durchhaltevermögen. Läuft?

Fangen wir ganz vorn an, im Paradies ähm nein bei Twitter:

Die Twitter-AGB finden sich hier: https://twitter.com/tos und dort wird man unter Punkt 5 “Ihre Rechte” schnell fündig:

Dort lautet der erste Satz: “Sie behalten die Rechte an allen Inhalten, die Sie über die Dienste übermitteln, veröffentlichen oder anzeigen”. Das heißt im Klartext: Wer einen eigenen Gedanken (Tweet) oder ein selbstgeschossenes Foto über Twitter veröffentlicht, hat weiterhin alle Rechte daran. Man erteilt Twitter lediglich eine Nutzungs-Lizenz.

Wir lesen dort weiter: “Sie bestätigen, dass Twitter mit dieser Lizenz das Recht hat, die Dienste bereitzustellen, zu fördern und zu verbessern und die über die Dienste übermittelten Inhalte gemäß unseren Nutzungsbedingungen anderen Unternehmen, Organisationen oder Einzelpersonen zur Verfügung zu stellen, die mit Twitter zwecks Syndizierung, Übertragung, Verbreitung oder Veröffentlichung dieser Inhalte in anderen Medien und Diensten im Rahmen einer Partnerschaft zusammenarbeiten.”

Twitter fordert also von seinen Usern das Recht ein, unsere Tweets innerhalb bestimmter Regeln auf Partnerseiten zu veröffentlichen, ohne dass der Twitteruser hierfür Geld fordern darf. Diese Regeln werden durch das Urheberrecht definiert, erfordern also eine Quellenangabe, die laut Wikipedia nach § 63 UrhG deutlich, mit der genauen Angabe der Fundstelle anzugeben ist. Urheberrechtskonform ist demnach zum Beispiel das embedden von Tweets, was Facebook sogar automatisch macht, wenn man einen Tweet verlinkt.

Wird aber ein Tweet außerhalb von Twitter genutzt oder veröffentlicht dann dürfte es sich -bei ausreichender Schöpfungshöhe um eine Urheberrechtsverletzung handeln, die zur Abmahnung führen kann.

Ok, was sagt uns das Urheberrecht denn konkret?

Das Urheberrecht kennt den Begriff der Schöpfungshöhe und den Werkbegriff – um die Wikipedia zu zitieren:

Ein Werk im Sinne des § 2 Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) muss eine konkrete, „wahrnehmbare Formgestaltung“ aufweisen, sich also von einer allgemeinen Idee und von anderen Werken unterscheiden. Und es muss sich nach § 2 Abs. 2 UrhG um eine „persönliche geistige Schöpfung“ handeln… es verlangt zudem eine dem Schöpfer zuzurechnende Individualität des Werkes.

Allerdings ist bisher die Frage nicht geklärt, ob ein Tweet als Aphorismus an sich immer die notwendige Schöpfungshöhe aufweist. Man kann sich eher nicht darüber streiten ob die Aussage, man habe gerade ein Mettbrötchen oder Einhörnchen gegessen wirklich schützenswert ist.

Rechtskonform im Sinne der Twitter-AGB und des Urheberrechts wäre demnach:

Herr Alex J. Bitschnau (der Geschäftsführer der Made My Day GmbH) müsste den Nachweis eines Vertrags zwischen Twitter und der Made My Day GmbH führen können, der diese Lizenzierungs-Partnerschaft bestätigt. Und er müsste darüber hinaus belegen, dass er die Fundstelle eines jeden Tweets auf den Facebook- und Printseiten inkl. Nennung der Autoren abgebildet hat.

Zweiteres erfolgt de facto nicht, ich gehe fest davon aus, dass ihm ersteres de jure ebenfalls nicht gelingen wird.

Anmerkung am Rande: Schon das Impressum der Made My Day GmbH wäre abmahnfähig, da es ganz offenbar gegen §5 des Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstößt: Der Einzelunternehmer, Herr Bitschnau bezeichnet sich dort als CEO (Chief Executive Officer). Abgesehen davon, dass die Bezeichnung CEO im deutschen und österreichischen Handels- und Gesellschaftsrecht keine rechtswirksame Bedeutung hat, könnten lt. Urteil des OLG München in einem ähnlich gelagertem Fall neben Fehlvorstellungen zur Unternehmensgröße falsche Schlussfolgerungen insbesondere im Hinblick auf den Vertragspartner des Kunden denkbar sein, da der Verkehr zu der falschen Annahme verleitet werden kann, der “Geschäftsführer” handele nicht im eigenen Namen, sondern als Vertreter einer juristischen Person (z.B. wie hier einer GmbH). (vgl. OLG München, Urteil vom 14.11.2013, Az. 6 U 1888/13).

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Aber tauchen wir weiter ein in die Niederungen der Juristerei:

Tweets sind bekanntlich nur maximal 140 Zeichen lang, so dass von Gedankenhehlern gerne argumentiert wird, das reiche nicht, um urheberrechtlichen Schutz zu genießen – die sogenannte Schöpfungshöhe wäre nicht ausreichend.

Unstrittig unter Juristen ist, dass ganz banale Sätze, Worte, Gedanken die Schwelle der Schutzfähigkeit nicht erreichen. Aber sie sprechen hier von der so genannten „kleinen Münze“, was bedeuten soll, dass der Grad der erforderlichen eigenen geistigen Schöpfung grundsätzlich niedrig anzusetzen ist, um ein hohes Schutzniveau für die Urheber zu gewährleisten.

Bereits im Jahr 2011 hat das Landgericht München I hierzu in einem Urteil zur urheberrechtlichen Schutzfähigkeit von Wortakrobatik festgestellt, “im Bereich der Sprachwerke gelten grundsätzlich geringe Anforderungen an die hinreichende Individualität…” ( LG München I · End-Urteil vom 8. September 2011 · Az. 7 O 8226/11). Das Gericht verfügte, dass das Zitat “Mögen hätte ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut” von Karl Valentin ein urheberrechtlich geschütztes Sprachwerk i.S.d. § 2 UrhG sei und verurteilte die Beklagte es zu unterlassen den Text des Künstlers ohne Zustimmung der Klägerin der Öffentlichkeit, insbesondere durch das Internet zugänglich zu machen und/oder diese Handlung durch Dritte vornehmen zu lassen.

Und darin steckt das Dilemma von Made My Day: Bitschnau kopiert weit überwiegend Tweets, die originell sind (wenn auch nicht von mir;) – weil sie (unerwartete) Pointen enthalten. Es sind also eben gerade KEINE Alltags-Aussprüche. Unterstellen wir also -dem LG München folgend-, dass die kopierten und online sowie in Buchform verwerteten Tweets sehr wohl eine “hinreichende Individualität” genießen.

Der renommierte Karlsruher Fachanwalt für IT-Recht, Timo Schutt, kommt auf seiner Homepage zu einer ähnlichen Einschätzung und warnt ausdrücklich vor einer Veröffentlichung von Tweets durch Dritte außerhalb von Twitter ohne Zustimmung des Autors.

madebytwitter

Mein Fazit:

Der Diebstahl von geistigem Eigentum wie Twitter-Aphorismen ist kein Kavaliersdelikt. Dennoch ist die Frage wann ein Tweet urheberrechtlich geschützt ist und wann nicht in Deutschland bisher rechtlich nicht abschließend juristisch geklärtSolange nicht eine gerichtliche Auseinandersetzung mit kommerziellen Gedankenhehlern a la Made My Day durch einen unmittelbar Betroffenen angestrengt wurde, um ein Präzedenzurteil zu erreichen, werden die Gedankendiebe weiter Geld verdienen. Mit fremdem Eigentum.

In diesem Sinne ein schönes Restwochenende,

Ihr Moltroff

Auch zum Thema:

Gedankenhehlerei – 7 Dinge die Sie gegen kommerziellen Tweetklau tun können

Gedankenhehlerei 2.0 – #madebytwitter

Gedankenhehlerei – 7 Dinge die Sie gegen kommerziellen Tweetklau tun können

Das Thema Gedankenhehlerei und kommerzieller Tweetklau beschäftigt weiterhin unter dem Hashtag #madebytwitter die Twittergemeinde, nachdem sich die Gedankendiebe von “Made My Day” in besonders dreister Weise um die Thematik ‘verdient’ gemacht haben. Lesen Sie hierzu diverse Blogposts, die ich unten noch einmal aufgeführt habe.

Was haben meine mitstreitenden Twitterfellows und ich darüber hinaus angestoßen und was konnten wir hierzu bisher erreichen:

  • Die negativen Reszensionen zum Buch auf Amazon nehmen weiter zu. Mittlerweile scheint sich aber auch die Gegenseite mit “Positivbewertungen” zur Wehr zu setzen.
  • Amazon hat die Prüfung der von uns dargelegten Urheberrechtsverletzungen zugesagt. Fraglich bleibt, mit welchem Engagement der Onlinehändler als Nutznießer der Verkaufsumsätze dies verfolgt.
  • Facebook wurden die gravierenden Urheberrechtsverletzungen der Seite Mademyday über deren internen Prozess (siehe unten) gemeldet.
  • Der mögliche Begünstigte der Charity-Aktion, die Organisation Ärzte der Welt ist ebenfalls informiert und hat bereits den Riva-Verlag um eine Stellungnahme gebeten.
  • Die Online-Redaktion des Nachrichtenmagazin Der Spiegel ist ebenfalls informiert.
  • Es hat sich bei mir ein “Insider” per Mail gemeldet, der seine Mithilfe angeboten und Zahlen genannt hat (s.u.). Derzeit versuche ich zu verifizieren, ob dieser kein Trojanisches Pferd ist :-)

Definitiv: Das ist alles noch viel zu wenig um von Erfolgen zu sprechen. Aber wie sagte schon der gute Seneca:  “Nicht weil es so schwer ist wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es so schwer.”

Was aber können sie tun um unsere Bemühungen zu unterstützen:

 1. Sammeln sie Belege

Sammeln Sie auf den einschlägigen Sprüche-Seiten wie Facebook etc. Sprüche resp. Tweets, die mit einem früheren Datum auf Twitter gepostet worden und stellen sie diese hier in den Kommentaren online. Wir werden die Belege ggf. für weitere Schritte gegen die Tweet-Hehler nutzen, sowie die Tweets auf von uns neu eingerichteten Twitteraccounts veröffentlichen. Achten Sie dabei darauf, keine 0-8-15-Standardsprüche, sondern möglichst originelle Schöpfungen, die eindeutig einem Twitterautor zuzuordnen sind, als Belege des Diebstahls zu melden.

2. Informieren sie Seitenbetreiber, Onlineverkaufsplattformen und Verlage

Informieren sie Seitenbetreiber (Facebook etc.), Buchhändler und Verlage über die Urheberrechtsverletzung. Hierzu steht i.d.R. entweder eine “Melden”- Funktion oder der “Kontakt”- Weg per Mail zur Verfügung.
Weisen sie die Verantwortlichen auf die Rechtsprechung hin. Amazon bietet z.B. die Möglichkeit der “Mitteilung an Amazon.de über eine Rechtsverletzung”. Auch Facebook hat zumindest auf dem digitalen Papier einen Prozess etabliert, um Uhrheberrechtsverletzungen zu melden.

3. Nutzen sie die Kunden-Rezension

Wer online ein Buch käuft, schaut oftmals auch in die Kundenrezensionen. Legen Sie dort dar, warum das Buch gegen Urheberrechte verstößt. Bleiben sie dabei sachlich; Viele Onlinehändler nutzen Filtersoftware, die Rezensionen mit einschlägigen Beleidigungen und Verunglimpfungen vor Veröffentlichung aussortiert. Im Falle von #mademyday konnte das Buch so vorübergehend aus der Amazon-Verkaufhitliste gedrängt werden.

4. Stormen sie in sozialen Netzen

Die Gedankenhehler sind ständig auf Twitter & Co unterwegs auf der Suche nach “Frischware” für ihre Sprücheseiten. Nichts stört sie dabei so sehr, wie massive negative “Berichterstattung” über ihr Tun z.B. mittels Verwendung einheitlicher Hashtags und Nennung der Verantwortlichen.

5. Gehen sie an die mediale Öffentlichkeit

Spiegel, SPON, Lobo, TAZ, SZ, und weitere Medien sehen und nutzen Twitter durchaus als ernstzunehmendes Medium des Microblogging. Informieren sie diese Medien über die aufgedeckten Urheberrechtsverletzungen sowie den kommerziellen Mißbrauch. Die Berichterstattung aus 2012 über die dubiosen Machenschaften und das erste Twitter-Buch des Riva-Verlags beschränkten sich nicht auf die sozialen Netze, sondern wurden von Tageszeitungen und anderen Print(medien) aufgegriffen, siehe auch Blogpost.

6. Stupsen sie die Twitterautoren an

Nur gemeinsam sind wir stark und können möglicherweise etwas gegen die Gedankenhehler ausrichten; Die weitaus meisten betroffenen Accounts verharren auf Twitter in träger Stille. Über die Motive kann ich nur spekulieren, vermutlich ist hierfür ein bedauerliches Gemisch aus Resignation, Fatalismus, Ignoranz oder auch Desinteresse verantwortlich. Deshalb; Sprechen sie die Betroffenen an. Fragen Sie die tollen Autoren, warum Sie sich nicht an Gegenaktivitäten beteiligen. Und faven Sie bitte keine kontraproduktive Tweets, die jegliches Engagement als “sinnlose Aktion” oder “Bringt eh nix!” abtun.

7. Erwägen sie juristische Schritte

Fassen wir nochmals zusammen: Die Gedankenhehler versuchen also in verschiedener Form Geld mit der geistigen Arbeit anderer Leute zu verdienen. Dies geschieht bereits mit der Veröffentlichung der Tweets auf Facebook und anderen einschlägigen Seiten wie 1jux.net  indem sie z.B. durch Werbebanner auf diesen Seiten hohe Einnahmen erzielen. Mir liegen -noch nicht verifizierte Insiderinformationen- vor, die ernsthaft von sechstelligen Werbeeinahmen im Monat (!) sprechen. Hierzu mehr, wenn ich Belege gesehen habe.

Die juristische Bewertung des Tatbestands der Urheberrechtsverletzung ist – spätestens mit einer kommerziellen Bereicherungsabsicht- nach Auffassung der Juristen hinreichend belegt. Ich versuche hierzu in den nächsten Tagen noch einige Fakten zusammen zu tragen. Meines Wissens hat bis dato aber noch kein Twitterer versucht den juristischen Weg zu bestreiten. Einen vorzeigbaren Präzedenzfall gibt es also -noch- nicht. Er kann m.E. auch nur die letzte Möglichkeit bleiben. Ich hoffe dennoch darauf, dass sich ein massiv Betroffener dazu im aktuellen Fall oder später dazu entschließt.

madebytwitter

Bilden sie sich also ihre Meinung zur Thematik und unterstützen sie die aktuellen Aktionen rund um das Mademyday-Buch. Auf Twitter finden Sie alle Informationen hierzu unter den Hashtags #madebytwitter.

Zum Schluss noch zwei Sätze in eigener Sache:

Schnell wurde mir auf Twitter vorgeworfen, den Storm nur aus niederen Beweggründen, Wichtigtuerei, Followeraquise und was weiß ich noch alles mehr loszutreten. Fakt ist, dass meine Tweets selbst nur marginal auf der Facebookseite von mademyday vertreten sind, so vermutlich auch im angefeindeten Buch. Follower sind in den letzten Tagen in gleichen Zahlen davon gelaufen und neu hinzugekommen. As usual.

Aber wie gesagt; Bilden sie sich ihre Meinung. Auch dazu.

In diesem Sinne,

Ihr Moltroff

Lesen Sie zum Thema auch weitere Blogposts:

Tweetklau: Dreiste Methoden von DeutschTweetor

Buch von ickemich

‘Ruined my day’ von ndblckmlk

Klauen… umbauen.. verkaufen. Hehlerei? von czyslansky

Wenn Sie weitere kennen, bitte Info an mich.

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