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Der rote TV-Held meines Kinderzimmers

Ich erinnere mich.

Es muss so Mitte der siebziger Jahre gewesen sein:

Niemals konnte ich mich -obwohl damals schon heftige Leseratte- für die XXXIII in Lederimitat gefassten Bände der gesammelten Reiseerzählungen Karl Mays begeistern, die zunächst bei den Großeltern im Regal standen und die Opa mir geradezu (als vorgezogene Erbmasse?) aufdrängte.

Zu langatmig? Oder war es der etwas modrige Geruch des Papiers? Mag sein.

Umso mehr verschlang ich aber die im Fernsehen rauf und runter wiederholten Winnetou-Filme der 1960er Jahre, in denen die Figur des „Winnetou“ ausschließlich von Pierre Brice dargestellt wurde. Er und Lex Barker als Old Shatterhand waren bei uns Kids äh Kindern regelrechter Kult.

Und so geschah es, dass ich Pierre Price alias Winnetou zu meinem persönlichen Helden erkor; Denn ausschließlich er war es, dem ich es zu verdanken hatte, wenn die Eltern bei den Zu-Bett-Geh-Zeiten eine Ausnahme machten und ich auch einmal mitten in der Woche um 20.15 Uhr vor dem kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher sitzen durfte.

Bei einer Tasse Milch mit Honig der tollen Filmmusik von Martin Böttcher lauschend, tauchte ich dann regelmäßig an der Seite des großen Apachenhäuptlings und seines weißen Blutsbruder für 2 Stunden in meine wilde Traumwelt im Westen ein. Unzählige Male.

Und das ich seinerzeit beim Tod Winnetous durch diese verdammten Sioux in Winnetou III untröstlich Rotz und Wasser heulte, erzählen Sie jetzt bitte nicht weiter. Immerhin: Den “Bravo”-Starschnitt konnte ich damals noch an meinen jüngeren Bruder verkaufen.

In diesem Sinne, R.I.P. Pierre Price; mögest du in den ewigen Jagdgründen immer eine geladene Silberbüchse zur Hand haben.

“Howgh!”

Dein Moltroff

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Warum Deutschland dringend einen neuen Panzer braucht – Ein Exklusivinterview

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will noch dieses Jahr die Entwicklung eines neuen Kampfpanzers für die Bundeswehr in Auftrag geben. Geplante Fertigstellung laut Berichten aus dem Ministerium soll spätestens 20160 sein.

In einem Exklusivinterview mit Radio Maulwurf gibt die Verteidigungsfrau und Kanzerlin der Reserve 10 Antworten auf die Gründe für dieses Vorhaben, nennt schonungslos die zugrunde liegenden, real exisitierenden Bedrohungsszenarien für Deutschland (und kokettiert ein wenig mit ihrer persönlich-maskulinen Muskellage hierzu).

“Guten Abend, Frau Ministerin. Bitte nennen Sie uns die für Sie wesentlichen Gründe zu ihren Plänen für einen ‘Leopard-Nachfolger’.”

“Vielen Dank, dies möchte ich gerne tun, schätze ich doch ihren Radiosender als vertrauenswürdigen, tief in der deutschen Erde verwurzelten Pfeiler deutscher Demokratie.”

“Ohh, danke! Nun lassen Sie uns aber beginnen…”

“Gerne. Also

  1. “Das Tarifeinheitsgesetz wird die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zum Äußersten treiben; GdL-Chef Claus “The Lokinator” Weselsky droht bereits mit dem ‘totalen Krieg’. Die nun beschlossene “Schlichtung” ist in Wahrheit eine ‘Schliche’ (sächsisch für Finte). Unsere Sicherheitsexperten gehen aktuell davon aus, dass spätestens ab nächster Woche voraussichtlich zurückgeschossen wird. Zwei Bahnvorständen wurden seitens GDL-Terroristen bereits gezielte Kopfschüsse aus langsam fahrenden Regio-Expressen angedroht! Dem müssen wir mit aller Härte begegnen.”
  2. “Sind wir realistisch; Die EU wird nicht allen Flüchtlingsschlauchbooten auf dem Mittelmeer die Luft ablassen können. Es steht daher zu befürchten, dass eine Armee von ca. drölfmillionen, mit Macheten bewaffneten Afrikanern und Somali mit – in Italien und Malta gekaperten- Flüchtlingsfernbussen Deutschlands Südgrenze überrollen wird. Hier müssen wir frühzeitig an den Alpentunneln strategische Position beziehen.”
  3. “Ich erlebe es tagtäglich nach der Kita; Die Truppe meutert und mault! Es muß daher dringend ein G36-Ersatz her. Und dabei gilt es die Streuwerte ein für alle Male durch Kalibergröße wett zu machen!”
  4. “Ein Wiederaufstieg des HSV in die Fußball-Bundesliga erscheint nur mit Hilfe geeigneter Kampfmittel gegen kampferprobte Clubs wie Redbull Leipzig (deren Geldmafia verleiht Rotorblätter) und MSV Duisburg (mit Stahlschmelze im Ort) möglich. Dies gilt es seitens der Bundesligawehr in geeigneter Form zu unterstützen.”
  5. “Es muss konstatiert werden; Der Vormarsch des Islamischen Staats (IS) weit außerhalb der Grenzen des Iraks und Syriens scheint unaufhaltsam. Erste schwarz vermummte, feindliche Kämpfer wurden bereits in der Nähe bayrischdeutscher Kulturgüter wie Schloß Neuschwanstein, Hofbräuhaus und Theresienwiese ausgemacht. Besorgte Anwohner berichten von Maßbierglas-zerstörenden, laut “alaaahaaaha” pöbelnden Konsorten auf der Pfingst-Kirchweih in Alteglofsheim und Straubing!”
  6. “Eigentlich streng geheim, aber ihnen verrate ich; Die dreißig kompetentesten BND-Agenten (reanimierte Pensionäre inbegriffen) werden demnächst für ihre streng geheimen nachrichtendienstlichen Aktivitäten aus gepanzerten Fahrzeugen heraus operieren. Damit kann verhindert werden, dass wissbegierige NSA-Untersuchungsausschuss-Mitglieder diese unter Vortäuschung falscher Fürsorge (verwanzter Kaffee und Spionagesmoothies) investigativ beschnüffeln.”
  7. “Die nicht zu ignorierenden Probleme beim A400M-Transportflugzeug, der GermanWings-Absturz sowie die verpasste Zulassung der Kampfdrohne “Möwchen II” lassen uns nur eine realistische Option: Der neue Panzer muss neben hervorragenden Bottom-to-Bottom-Eigenschaften auch fliegen können! Hatte ich unsere Beschaffungsprobleme im U-Boot-Bereich erwähnt, nachdem wir alle bisherigen an Israel verschenkt haben..?
    Lassen Sie mich an dieser Stelle kurz die wichtigsten Kriterien zum Anforderungsprofil des Tanks darlegen, die bereits durch eine Mutter-Kind-Arbeitsgruppe im Ministerium fixiert wurden:
    – Tauglichkeit im schweren brandenburgischen Truppenübungsplatzgelände,
    – Temperaturfestigkeit von mindestens 5° bis 20°C,
    – Solargeladener ePanzer, alternativ als Plugin Hyprid, jedenfalls mit voller Euro 6-Norm,
    – Quickfix-Kinderschalensitze, für Schwangere geeignete Gurte
    – Urangehärtete Konkaveflächen, damit die Panzerbesatzung bei Fotoshootings mit mir die Ausleuchtungsausrüstung sparen kann!”

    Panzer Uschi

    Der neue Kampfpanzer der Truppe

  8. “Ein weiteres, nicht zu vernachlässigendes Argument: Unser sozialistischer Bruder Vladimir Putin muss sich darauf verlassen können, bei versehentlichen Interventionen im Baltikum oder Westpolen funktionables Kriegsgerät zu erobern. Immerhin überließ uns der Warschauer Pakt in Ostdeutschland ebenfalls etliche T 55-Panzer zur Verschrottung!”
  9. “Der AfD-Streit eskaliert; Oberstleutnant Bernd Lucke und Braungürtelkämpferin Frauke “Heili” Petry schließen jede Zusammenarbeit aus; ein Putsch auf dem Bundeswehrparteitag in 3 Wochen zeichnet sich ab! Dies birgt unkalkulierbare Gefahren für unsere Demokratie, die es nicht nur am Hindukusch sondern auch in Bautzen und Pirna zu verteidigen gilt!” 
  10. “Schlussendlich sind wir es in der Bundesregierung einfach leid, immer die Verlierer, die Versager, die ausgelachten Nichtskönner zu sein; Daher bin ich mit Angela Merkel überein gekommen alles, und ich sage ALLES darauf auszurichten, beim nächsten ESC Eurovision Song Contest als strahlender Sieger von der Bühne zu fahren. Ja, Sie haben richtig gehört; Fahren! Und zwar mit dem neuen Kampfpanzer, Spitzname “Conchitattacke” und dem Männerchor des Heeresmusikkorps Veitshöchheim. Mit dem Titel “Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus”. Vielen Dank & schönen Abend noch.”
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Verteidigungsministerin und Kanzerlin der Reserve Ursula von der Leyen

 ” Wir bedanken uns ebenfalls für das Gespräch.”

Maulwurflyrik

Der Wurfpoet tippt in die erste Zeile
der Twitter-App, leert dabei ein Gläschen Wein.
Blickt sinnend eine ganze Weile
Ins Nichts und schenkt sich noch eins ein.

Wie soll der nächste Tweet denn lauten?
Gar vielleicht mal auf Papier? Das wär prägnant.
Der Wurf dreht den arg zerkauten,
Stumpfen Malstift in seiner Pfotenhand.

Der Dichterwurf träumt von Kostbarkeiten
Des Tweets, des Wahns und seines Sinns;
Ein drittes Gläschen folgt dem zweiten,
Dann lutscht er vorsorglich noch ein Pfefferminz.

Ein 4. Gläschen soll’s nun richten,
Der Maulwurf fühlt sich angeregt;
Der Geist des Weines hilft beim twittern!
Das ist seit Goethe oft belegt.

Die ersten Worte klingen nicht übel,
Er deklamiert Mett und Penis strikt im Takt;
Danach versinkt er in Gegrübel.
Och wäre er doch jetzt gerade nackt…

Ein Einfall! Yeah, ein schlicht brillanter!
Er schreibt ihn hin, hört schon Applaus …
Doch halt, das twitterte bereits ein anderer!
Er streicht die Zeile wieder aus.

Der Maulheld flucht und kippt den vierten,
Dann fünften, siebten, zehnten Wein;
Erbricht sich, schläft auf dem verschmierten,
Doch weichen Moosbeet ein.

Der Mond erhellt mit mildem Schimmer
Die Szene, bis er weiterkreist;
Es riecht entschieden streng – wie immer;
Auch dieser Tweetentwurf bleibt verwaist.

Moltroff. Im Mai 2015.

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Nicht immer. gez. Moltroff.

Twitterer’s Frühlingsgefühle oder Hummeln im Sack

Der Twitterand vegetiert bekanntlich -seinem nicht existenten biologischen Rhythmus folgend- das lange Jahr über in einem ewigen Metabolismus aus Sternhagelvoll und Timelinelosigkeit. Umgeben von seinem Drogenbesteck an Akku-Powerladegeräten und Twitterclient-Apps sowie in sinniger Zwie-Eintracht mit seinem Smartphone nistet er in dunklen couchartigen Höhlen im Inneren von Verteilersteckdosen vor sich hin.

In seinem existenziellen Dasein unterliegt er neben nächtlichen Ausgangssperren und veganutellaer Gemeinschaftsverpflegung auch der regelmäßigen Kontrolle sämtlicher Vitalfunktionen durch die Followerschaft. Allumfassender Vollkaskoschutz vor den Unbillen des ‘Draußens’ gilt in Kreisen als überlebensnotwendig.

Alljährlich im Frühjahr beobachtet die Welt jedoch ein Phänomen, das in wissenschaftlichen Publikationen gerne auch als “Twormon-Expektoration” bezeichnet wird: Hierbei erwacht der Antrieb des Twitteranden schier sternenexplosionsartig.

Als ob der Lebens-TÜV zur Jahresinspektion ruft, erwachen in ihm tsunamiartig längst verblichene Lebensgeister die man sich als unvoreingenommener Betrachter hätte nie wünschen wollen. Mit verheerenden Konsequenzen: Während der Lenz noch mehr oder weniger unmotiviert vor sich hin dröselt, verhält sich der Geifer sabbernde Twitterand urplötzlich als hätte er Krokusse geraucht.

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So unterschiedlich auch immer der Umgang mit den Frühlingsgefühlen beim Einzelnen abläuft, es sind doch einige Konstanten zu beobachten:

Trotz gewöhnlich moribunden Zustandes explodiert fortan täglich die Paarungsbereitschaft, bei männlichen Exemplaren zeigen sich sogar Spontanerektionen beim Belesen weiblicher Artgenosseninnen! Gänzlich verrückte Hardcores begeben sich sogar ins sonnendurchflutete Reallife wo man sich bei Selbstfindungstreffen wie gerade aktuell dem berüchtigten rheinischen Koellesterin mit anderen verhuschten Gestalten zu Austausch von Flüssigkeiten aller Art einfindet. Absurd.

Allerorten liest man zudem in der Timeline eine indifferente Frühjahrsgeilheit, diesen verbaleruptiven Zustand des irgendwas Wollens und doch nicht genau Wissens. Gerne sage ich “Hummeln im Sack” dazu. Passt aber anatomisch nur auf die Männchen. Allerdings entwickeln viele weibliche Accounts gerade im Frühjahr ein unglaubliches Geschick in der Beschaffung und im Schmuggel von Neufollowern. Dies gelingt par excellence durch das leicht überbelichtete Präsentieren tertiärer Geschlechtsmerkmale mittels Spontanshots (lat. Selfiesmus).

Das Ergebnis des Tuns? Neben gelegentlicher Geweihbildung & Hahnenkamm-Ausprägung beim Männchen, finden sich spätestens nach neun Monaten dezente Hinweise in der Timeline, das etliche Twitterprachtpärchen kleine Favies geworfen haben.

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In diesem Sinne einen twestosteronhaltigen Flirt wünscht.

Ihr Moltroff.

#BILDBOYKOTT – Better bad publicity than no publicity?

Elton John ruft über Instagram zum Boykott der schwulen Modemacher von Dolce und Gabbana wegen einer angeblich schwulenfeindliche Äußerung auf. Doch -oh Schreck- etliche Menschen teilen in den sozialen Netzen die Ansicht von D&G und kaufen ihre Mode nun möglicherweise erst recht? Geniale Kampagne am Ende. Könnte man meinen.

Anderes Netz, anderes, weit weniger banales Thema dann vorgestern auf Twitter: Einige, so auch ich rufen u.a. über den Hashtag #BILDBOYKOTT zum Boykott der BILD-Zeitung, respektiere zum Nachdenken über die menschenverachtende Berichterstattung der BILD rund um den #Germanwingscrash auf. Ich belegte hierbei den geschmacklosen Rotz der Yellowpress zu Flug 4U9525 mit einem Link (ACHTUNG nicht anklicken, sicher ZUGRIFFSZÄHLER! :) auf die Onlineseite des Blättchens sowie einem Foto des BILD-Titels vom 28.03.2015:

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Und schon rotten sich die vermeintlichen Gutmenschen im Netz zusammen, die mir und anderen vorwerfen: “Ganz toll, macht ihr auch noch Werbung für diese Idioten!” Schnell wird entfolgt, geblockt und gehatet, immerhin weiß man dort ja die Faustregel “Better bad publicity than no publicity” auf seiner Seite.

Anders formuliert: Jede Publicity ist gute Publicity besagt zumindest die fragwürdige Faustregel im Titel dieses kurzen Blogposts. Ist dem so? Hilft jedwede Publicity, egal ob schlecht oder gut immer nur dem Auslöser? Ist schlechte Publicity sogar verkaufsfördernd?

Es gibt meines Erachtens kein klares Ja oder Nein. Aber eine Position dazu kann ich für Unverblendete anbieten.

Ich teile durchaus die Bedenken der Bedenkenträger, wäge aber in meinem Tun ab was die Alternative zu einem gepflegten Shitstorm bzw. Boykottaufruf wäre; Das Geschehen stillschweigen? (das Wörtchen Todschweigen verbietet sich mit Blick auf den Background nahezu). Die Yellowpress also “machen lassen”, menschenverachtende Berichterstattung als “gegeben” hinnehmen? Ich sage nein zu dieser Option.

Der Shitstorm ist für mich eine neue, militante Form der politischen Korrektheit. Nicht zuletzt entfaltet gerade die Auseinandersetzung in den„sozialen Medien“ eine unheimliche Dynamik. Und sie trifft diejenigen, die meine eigentliche Adressaten sind: Nicht die Redakteure dieses miesen Blättchens möchte ich wachrütteln, sondern die 2,2 Mio. Leser jeder Ausgabe sollen sich mit diesen Fragen konfrontiert sehen:

Wie weit darf Berichterstattung gehen?
Ist das noch mein Verständnis von ethischem Handeln?
Was kann ich als Leser dagegen tun?

Ich mache mir keine Illusionen; 2.198.000 Leser der BILD-Tagesausgabe werde ich weder über Twitter noch mit solch tiefgründigen Absichten erreichen. Dazu bedarf es auf Sicht etwas mehr Frischluft in den vernebelten Gehirnwindungen jedes Käufers. Aber wenn mittels einem Boykottaufruf nur einige Leser oder Händler erreicht werden – ich würde es wieder tun.

Und es funktioniert. Im Kleinen ja, aber ein Anfang ist gemacht, wie dieser Blogeintrag aufzeigt:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man liest sich. In diesem Sinne einen guten Start in eine kurze Osterwoche,

Ihr Moltroff.

31.03.2015. Aktuell: Lesenswerter Kommentar von Ernst Wolff auf Heise Online – Was steht hinter der Rufmord-Kampagne der Mainstream-Medien?

01.04.2015. Aktuell: The Huffington Post – Boykott gegen “Bild”-Zeitung wegen Germanwings-Berichterstattung

02.04.2015. Aktuell: Lesenswerter Offener Brief von Andy Neumann (BDK) an Kai Diekmann

 

 

Gestatten, Moltroff – Misanthrop in Teilzeit

Sonntag. 11.30 Uhr. Einladung zum Brunch bei guten Freunden. Sie feiert Ihren Geburtstag.

Du kannst dir ja leider nicht aussuchen, was sich sonst noch so an Menschsein ob der Ankündigung eines “südländischen Geburtstagsbrunch in unserer Küche” an Gesellschaft dann in besagter -wohlgemerkt bei normalen Traffic urgemütlichen Küche- zwischen Holzofen und Bügelbrettbuffet zusammenschiebt. Auf engstem Raume.

Und so sitzt du da, deine Gazpacho Andaluz schlürfend, eingeklemmt auf einer Biertischgarniturholzbank zwischen Menschen und musst zuhören.

Nein, leider nicht deiner guten Freundin und ihrem Gatten, mit denen man gepflegt über gemeinsame Südfrankreichurlaube schwelgen könnte – die beiden sind ja als Gastgeber quasi ‘out of order’. Stattdessen z.B. der Mitvierzigerin, “extra aus Burgsteinfurt-das-sind-300 km!” angereist, Typus ‘doof wie Kastenbrot vom Vortage, aber zu allem ungefragt ihren unqualifizierten Senf dazugeben’, obendrein aufdringlich, uninteressant und etepetete.

Oder mir schräg gegenüber dem Herrn Berufsschullehrer “seit 20 Jahren an der selben Schule” (und in den selben Schuhen), der mir sein Leid über Bildungsdeutschland ungefragt ins Ohr drückt. Ich kann ihnen sagen: Nach 15 Minuten Referat über das untergehende Abendland des Mathematikunterrichts, weiß man Altersgebrechen wie beginnenden grauen Star und Schwerhörigkeit erst richtig zu schätzen. Die anhängige Sippe aus Gattin und “Grundschulpädagogik studierendem Sohn” ist ähnlich gestrickt, allerdings gebildeter, teilweise schon intellektuell, aber stockkonservativ und sterbenslangweilig. Sogar das vermutliche Nesthäkchen der Familie “Sofie, ich gehe schon auf’s Gymi!” entpuppt ein altkluger Langweiler!

Während die Umsitzenden sich also mit abnorm veranlagter Gusto den TetrapakO-Saft in den guten Rieslingsekt (eigens vom winzernden Schwager der Jubilöse) kippen, dabei verstohlen ihren VERIFOX-Blick auf die BILD-App auf der Startseite ihres güldenen iPhone5 werfen (zur Newsbeschaffung, siehe oben) kommt mir der geliebte, gute, alte Schopenhauer in den Sinn. Und seine fabulöse Fabel von den Stachelschweinen:

Stachelschweine

Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich, an einem kalten Wintertage, recht nahe zusammen, um, durch die gegenseitige Wärme, sich vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln; welches sie dann wieder voneinander entfernte. Wenn nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher brachte, wiederholte sich jenes zweite Übel; so dass sie zwischen beiden Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.

So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder von einander ab. Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, und bei welcher ein Beisammensein bestehn kann, ist die Höflichkeit und feine Sitte. Dem, der sich nicht in dieser Entfernung hält, ruft man in England zu: Keep your distance! (Wahren Sie den Abstand!) – Vermöge derselben wird zwar das Bedürfnis gegenseitiger Erwärmung nur unvollkommen befriedigt, dafür aber der Stich der Stacheln nicht empfunden. – Wer jedoch viel eigene, innere Wärme hat bleibt lieber aus der Gesellschaft weg, um keine Beschwerde zu geben, noch zu empfangen.

Ich muss eingenickt oder tief in misanthropen Gedanken versunken sein. Jedenfalls schreckte ich hoch, als Madam Burgsteinfurt mit ihren Stacheln (oder waren es die Holzspiesschen der Käsewürfel?) vor mir rumfuchtelte “WILLST DU AUCH KÄSE?”. Nein ich wollte nicht. Oder um es einmal mit den Worten des preisgekrönten Lyrikers Axl Rose zu sagen: “Get in the ring, motherfucker, and I’ll kick your bitchy little ass!”

Und dann war’s 15:00 Uhr. Over and out.

Einen schönen Restsonntag noch,

Ihr Moltroff.

Ein Blick zurück nach vorn: Warum es mit #madebytwitter kein Printprojekt geben wird

Es hat sich mittlerweile auf Twitter sicher herumgesprochen, dass wir Ende 2014 mit #madebytwitter einen beachtlichen Erfolg im Kampf gegen den kommerziellen Tweetklau durch die Made My Day GmbH errungen haben. Dies möchte ich hier nicht mehr en detail vertiefen, nachlesen dürfen Sie alles hierzu gerne in den unten angegebenen Links zum Thema. Zwei letzte Anmerkungen einen Monat nach unserem “Sieg” bleiben hier dennoch nachzureichen bzw. sind wir allen Supportern und Mitstreitern schuldig.

1. Die Reaktion von Made My Day

Herr Bitschnau, der CEO von Made my Day hatte am 23.12 eine vorweihnachtliche Eingebung oder auch nur die Hose voll, eröffnete einen Twitteraccount und twitterte dies. Es blieb sein bisher einziger Tweet. Wen es interessiert, findet in den comments und replys zum Tweet einiges Erhellendes zu Motivation und Geschäftsmodell dieser obskuren GmbH. Ich möchte dies hier nicht mehr weiter vertiefen. Zumindest nennt seither immerhin die Facebookseite bei vermeintlich von Twitterern stammenden Sprüchen den @Autor (ob die Facebookergemeinde allerdings weiß, das dies der Bezug zu Twitter darstellt?).

Ferner erhielt ich am 21.12. eine Mail eines “C.”, bzw. laut eMail-Adresse eines “Donald R. Jones”, der sich als Insider darstellt und Wüst-Diffuses zu berichten weiß. Lesen Sie hier selbst und bilden sie sich eine Meinung zur Identität des Autors und seinen Auslassungen.

2. Die Reaktion des Riva-Verlags

Nun hatten wir -wie berichtet- in den Verhandlungen im Dezember mit dem CEO des Riva-Verlages eine Rücknahme des Buches und das Einstampfen der Erstauflage von 10.000 Exemplaren vereinbaren können, was der Verlag auch am 19.12. über seinen Twitteraccount kommunizierte. Dort stellt der Verlag ebenfalls ein Charity-Projekt mit Twitterautoren in Aussicht, dass der Riva-Verlag gerne -als Ausgleich für die den “Ärzte der Welt” entgangenen Erlöse aus dem strittigen Buch- mit dem #madebytwitter-Team als Promoter initieren möchte.

Die Erklärung des Riva-Verlags vom 19.12.2014 auf Twitter

Die Erklärung des Riva-Verlags vom 19.12.2014 auf Twitter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu diesem Charity-Buchprojekt hatten wir in den Verhandlungen bereits deutlich gemacht, dass der erste Schritt -die Buchrücknahme- zunächst vollumfänglich erfolgt sein muss um über einen zweiten Schritt in Form eines Charityprojekts #madebytwitter- nachzudenken; Unsere Skepsis war groß, dass der Verlag sein Fehlverhalten durch diese Promotionaktion letztendlich kaschieren will.

Um so genau registrierten wir, dass das Buch “Ich brauche einen neuen Wecker. Meiner klingelt immer, während ich schlafe” um die Jahreswende und bis heute immer noch in Buchläden (z.B. der DBH-Gruppe, Hugendubel, Habel, Weltbild, Wohlthat, Jokers) und diversen Online-Händlern verfügbar und bestellbar ist. So z.B. bei Libri.deBücher.de , Weltbild.de, Hugendubel.de , Thalia.deBuch24.de, Buch.de und einigen anderen Portalen. Auf meine Nachfrage beim Verlag, erhielt ich vom CEO folgende Info per Mail:
“Wir haben wie versprochen den Verkauf sämtlicher Bücher gestoppt, die in unserem Einflussbereich liegen. Das bedeutet, wir liefern das Buch nicht mehr aus und haben auch alle Bücher, die noch uns gehören (z.B. Kommissionslager bei Amazon) zurückgeholt. Bücher, die Buchhändler gekauft und bereits bezahlt haben, gehören den Buchhändlern und nicht uns.”

Spätestens mit dieser Einlassung des Verlags manifestierte sich bei uns endgültig die Erkenntnis, den “Rückruf” des Buches durch den Verlag auf Twitter etwas naiv als “das Buch vom Markt nehmen” interpretiert zu haben. Nun zeigte sich der feine aber für uns maßgebliche Unterschied; Eine Remission verkaufter Bücher beim Buchhandel durch den Riva-Verlag aufgrund der massiven, durch uns belegten Urheberrechtsverletzungen hat nicht stattgefunden. Es gibt weder ein entsprechendes Informationsschreiben des Verlages an die Buchhändler noch eine mögliche Rückrufinformationen zum Buch via Verbandsorgan Börsenblatt.

Wir haben viel erreicht und ich bin davon überzeugt, dass zumindest bei den aktuell Beteiligten ein Nachdenken zum Thema “Kommerzielle Verwendung von geistigem Eigentum aus der ergiebigen Quelle Twitter” in Gang gesetzt wurde. Dennoch ist es zuweilen ein Kampf gegen Windmühlen, wenn man sich auf Facebook-Seiten mit gewerblichem Impressum umschaut, die mit System und Dreistigkeit Twitter und Tumblr für Ihren Webauftritt melken. Nicht zuletzt hinzu kommt, dass das überwiegend ignorante Verhalten der Twitter-Community wenig Motivation erzeugt, hier den nächsten, letztendlich konsequenten Schritt einer juristischen Klärung des Themas “Schöpfungshöhe von Tweets” herbeizuführen.

Eine juristische Auseinandersetzung respektive eine einstweilige Verfügung zwecks Rückruf der -an den Handel verkauften- Bücher wird es daher nicht geben. Was bleibt ist ein schaler Beigeschmack des Erfolgs, aber damit kann ich leben.

In diesem Sinne,

Charlie Hebdo – Ein ganz kurzer EinWurf > 140 Zeichen

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Die Absurdität der aktuellen Diskussion in Medien und sozialen Netzwerken nach dem perfide-brutalen terroristischen Anschlag auf die Pressefreiheit unter den hashtags #JeSuisCharlie und #charliehebdo liegt für mich insbesondere darin, daß von ‘Gutmenschen’ und ‘Totaltoleranten’ jetzt Respekt ausgerechnet für die ‘religiösen Gefühle’ von islamistischen Fundamentalisten eingefordert wird, die selbst null Respekt gegenüber Andersdenkenden haben.

Ein Papst wie man sich Jesus 2.0 vorstellen könnte

Ein kurzer Gedankengang zu Papst Franziskus, dem Unruhestifter Jesus und jenen, denen beide noch heute in die Quere kommen.

Vorab, ich bin nicht tief gläubig. Auch habe ich mit der katholischen Kirche schon seit langer Zeit nichts mehr am Hut. Aber spätestens nach der furiosen Rede dieses Jorge Mario Bergoglio, seines Zeichens Papst Franziskus und damit Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche sowie Souverän des Vatikanstaats in der er das kirchliche Führungspersonal geißelte, nötig dieser kleine große Mann mir uneingeschränkten Respekt ab.

Vor Kardinälen und Bischöfen geißelte er dieser Tage allgegenwärtige Arroganz und Eitelkeit, Tratschsucht und Karrierismus beim kirchlichen Führungspersonal, wie einst Jesus es gegenüber den selbstgerechten, heuchlerischen Pharisäern tat. Nachlesbar im Neuen Testament der Bibel, Evangelium Lukas (Lk 18,9–14 EU).

Eine Krankheitsdiagnose in 15 Punkten, die in ihrer Präzision jedem Allgemeinmediziner Respekt abnötigen sollte.

Schaue ich mir Franziskus näher an, fallen mir immer wieder Charaktereigenschaften ins Auge, die auch diesem Jesus aus Nazareth uneingeschränkt zugeschrieben werden können; Beide gelten als bescheiden, aber auch als entschlossen und durchsetzungsstark. Eher asketisch lebende Männer, stille Intellektuelle, wortkarg und medienscheu. Aber wenn es um ihr Anliegen geht, könnte ich mir beide bei “Menschen bei Maischberger” zum Thema “Alzheimer, Schizophrenie, Geschwätz in der Amtskirche” vorstellen, engagiert diskutierend.

Das jetzt einige im kirchlichen Establishment den Kopf angesichts der drastischen Wortwahl schütteln, heißt nicht, dass diese Botschaft nicht angekommen sein dürfte. Aber dieser Papst redet nicht nur, sondern handelt auch, Und provoziert mit seinem starken Reformwillen Widerstand in der Kurie, in der Vatikanverwaltung und anderswo bei Würdenträgern der katholischen Kirche.

Insofern verstehe ich diese schonungslose Kritik auch als Hilferuf des Franziskus; “Ohne die Unterstützung aller Christen schaffe ich es nicht, diese in Borniertheit erstarrte, um ihrer selbst Willen existierende Amtskirche, repräsentiert durch den Vatikan, zu reformieren.”

Papst Franziskus

Man muss daher auch ein wenig Angst um diesen mutigen Mann haben. Auch Jesus wurde aus dem engsten Kreise seiner vermeintlichen Anhänger verraten. Den Ausgang der Geschichte kennen wir.

Und es scheint mir wichtig, zu begreifen, dass Jesus viel radikaler und revolutionärer gewesen ist, als die meisten ihn verstehen. Wenn wir nichts über Jesus wüssten, als dass er gekreuzigt wurde, wüssten wir genug. Denn eine Kreuzigung war eine Strafe, die Rom ausschließlich für solche vorsah, die Gewalt gegen den Staat ausgeübt hatten, dazu zählten Aufständische oder Rebellen. Wer also daran glaubt, dass Jesus gekreuzigt wurde, muss damit zugleich einräumen, dass er wegen einer Rebellion gegen den Staat ans Kreuz geschlagen wurde. Auch er wollte die etablierte soziale Ordnung auf den Kopf stellen, er predigte, dass die Reichen arm werden sollten, und die Armen sollten reich werden.

Aber was der historische Unruhestifter Jesus im Gegensatz zum heutigen Papst seinerzeit nicht hatte, war weltweite Öffentlichkeit; Ein Internet, dass im helfen konnte seine Sache publik zu machen war noch nicht erfunden. Würde Jesus heute leben, wäre er ganz sicher in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook aktiv. Damals hieß seine Facebook-Fangemeinde noch “Apostel”. Und denen würde er heute vielleicht auch über seinen Twitteraccount posten: “Hallo Jungs glaubt mir, dieses Internet ist kein neumodischer Schnickschnack, sondern eine Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die wir sonst vielleicht nie erreicht hätten!”

Auch Papst Franziskus hat einige wichtige Bemerkungen über Einkommen, Gleichheit und unfairen Kapitalismus gemacht. Einige Politiker z.B. in den USA, Republikanerin & Teapartydame Sarah Palin inbegriffen, haben den Papst für diese Bemerkungen hart kritisiert.

Meine ganz persönliche Weihnachtsbotschaft lautet daher: “Hey, katholische Amtskirche, Politiker, Christen; wenn ihr ein Problem damit habt, was der Papst sagt, habt ihr ein Problem mit Jesus!”

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein besinnliches Weihnachtsfest,

Ihr Moltroff

P.S. – 18.01.2015

Integrität und Ehrlichkeit sind Papst Franziskus eigen. Leider auch zu Themen, die in keinster Weise meine Zustimmung finden. So auch bei seinem aktuellen Besuch auf den Philippinen, wo er bei einem Treffen mit Familien die katholische Lehre gegen künstliche Verhütung verteidigte; Die Familien müssten die “Heiligtümer des Respekts für das Leben” sein, sagte Franziskus. Hoffen wir, dass er diese Lehre mit Blick auf die Bevölkerungsexplosion gerade in katholischen Ländern wie den Philippinen während seiner Amtszeit überdenkt und korrigiert.

In eigener Sache – Ein Epilog zu #madebytwitter

Das Team von #madebytwitter zu dem ich mich zähle darf, hat einen tollen Erfolg im Kampf gegen kommerziellen Tweetklau durch die Made my Day GmbH errungen.

Dass wir nach langen Verhandlungen, endlosem Schriftverkehr, akribischen Buch-Recherchen und langen Telefonaten den CEO des RIVA-Verlages von einer Rücknahme des Buches und Einstampfen der Erstauflage von 10.000 Exemplaren überzeugen konnten (und nur hierum ging es), ist der Verdienst des Teams und dem Teil der Twittergemeinde die durch ihre Publicity die Kampagne unterstützte.

Es lag dabei nie in meiner Absicht, zum Protagonisten dieser Kampagne zu werden, dies ergab sich in den letzten beiden Wochen. Auch, weil einige Mitstreiter sich aus verschiedenen persönlichen Gründen zurückzogen oder in den aktiven Hintergrund traten. Vielleicht haben blinde Maulwürfe auch das schärfere Gebiss. Ich weiß es nicht.

Das während der Kampagne nicht immer alle Twitterer einer Meinung waren, zeigen z.B. verbale Tiefschläge in Tweets & Blogs gegen die -nach meiner Überzeugung- zwischen alle Fronten gerade, untadelige NGO Ärzte der Welt, die vom Herausgeber des Buches, Herrn Bitschnau die „Autorenerlöse“ zugesagt bekommen hatte. Die Angriffe gegen die Organisation finden wir sehr bedauerlich und dies ist auch ein entscheidender Grund, warum wir mit dem Verlag vereinbart haben, zu prüfen, inwieweit ein gemeinsames karitatives Buchprojekt im nächsten Jahr die entfallenen Spendenerlöse doch noch generieren kann. Sollte sich diese Absicht in den nächsten Wochen festigen, werden wir hierzu einen transparenten Dialog auf Twitter führen, wer-wie-wann-in welcher Form beim Projekt mitmachen kann; Ich denke, es sollte prinzipiell für alle Twitterer offen sein.

An diesem Punkt wäre unser schöner Erfolg zu feiern gewesen, wenn nicht ein -durch wenige Einzelne losgetretener- Shitstorm auf Twitter den vermeintlichen Protagonisten der Kampagne, also mich ins Zwielicht gerückt hätte. Und damit die Kampagne ebenfalls beschädigte.

Gerade deswegen bin ich ein offenes Wort hierzu insbesondere meinen Mitstreitern und Followern schuldig:

Mit konstruktiver Kritik kann ich umgehen und diese ist immer legitim. Insbesondere dann, wenn man wie ich mit seiner Meinung und Person polarisiert. Wenn der Kern der Kritik sachlich bleibt, wie es auch dem von mir geschätzten @Doktor_FreakOut in seinem Blogpost gelungen ist, sehe ich auch gerne über gelegentlich aus meiner Sicht falsche Wortwahl wie “an Fanatismus grenzende Beharrlichkeit” oder “Sau durch die Gassen treiben” hinweg. Immerhin wühle ich nicht im Schlamm sondern grabe darin;)

Was jedoch bei Überschreiten meiner Schmerztoleranz-Schwelle zu Kopfschütteln, Wut und Gegenreaktionen führen kann, sind die mir und anderen widerfahrenen, teilweise anonymen Drohungen auf Twitter und per eMail, desgleichen Beleidigungen der übelsten Art und -was mich besonders in Rage versetzte- Drohungen respektive Erpressungen gegen meine Follower u.a. per DM (“…Wenn du ihn nicht entfolgst, entfolge ich dich..“). Wohlgemerkt also nicht nur durch den vermeintlichen Gegner sondern dolchstoßartig aus den eigenen Twitter-Reihen. Mit hasserfüllten Menschen führe ich auf deren verbaler Ebene keinen Dialog. Und ich blockte diese und ihre Retweeter (auch den Doktor) temporär um Ihnen in meiner Timeline keine Plattform für ihren Hass zu bieten. Und um mein Nervengerüst zu schonen.

Haten macht manch einem Spass

Haten macht manch einem Spass

Man versucht mich mit Preisgabe meiner Anonymität zu erpressen

Man versucht mich mit Preisgabe meiner Anonymität zu erpressen

Man vergleicht mich mit Kinderschändern

Man vergleicht mich mit Kinderschändern

 

 

 

 

 

Ok, aber was ist nun konkret an den Vorwürfen des „Tweetklau“ dran? Nun, die Fakten stimmen zunächst: Die kritisierten Tweets tauchen zeitlich früher bei anderen Accounts auf. Aber habe ich dort geklaut? Bin ich gar ein dreister Tweetplagiator?

Ich darf mit wesensfester Stimme behaupten: Niemals würde ich Tweets anderer Twitterer wissentlich wiederverwenden, ach was, sagen wir ruhig klauen!

Aber: Ich lebe weder in Kunststoffkapsel namens „Rosetta“ in den Weiten des unwirtlichen Weltalls noch in einer schneegefühlten Glaskugel sondern hier auf und unter Erden zwischen Menschen, Massenmedien und Misswahlen.

Und überall dort schnappe ich als ein Freund guten Humors tagein, tagaus vieles auf: Angefangen vom banal-genialen Witzchen am Stammtisch meines Vereins über die umwerfend erheiternde, beiläufige Aussage eines Bela Rethy während der Kommentierung des Bundesligaspiels „Stolperer FC gegen Dynamo Kreisklasse“  bis hin zum herrlich-geistreichen Bonmot aus einem von mir gelesenen Buch, das mir ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert. Ich genehmige mir seitdem ich twittere die Freiheit, diese Fragmente gelegentlich auch in meiner TL wiederzugeben um meine Follower daran teilhaben zu lassen. Und manchmal wandele ich diese -zum besseren kontextfreien Verstehen- auch ab, wie diesen -ursprünglich von Karl Kraus stammenden Satz aus 1912. Aber was ist mit der korrekten Quellenangabe? Ja, diese hätte sicher beispielhaft lauten können:

– (Von meinem Freund Heinz 17.03.2014 in der gemischten Sauna erzählt.)

– (am 27.05.2012 um 19:51 Uhr in der ARD-Sportschau so ähnlich von Herrn Rethy dargeboten, von mir leicht abgewandelt)

– (aus “Haus- und Gartenmagazin”, Ausgabe 7/14, Seite 27, letzter Absatz)

Sie merken, ich überzeichne bewusst. Aber fragen wir uns hierzu; Wann ist eine Quellenangabe wirklich noch sinnvoll und notwendig? Wann ist ein Maß an Schöpfungshöhe erreicht, das einen Urhebernachweis alleine schon aus moralischer, wenn nicht aus juristischer Sicht zwingend macht? Wohlgemerkt ich spreche hier nicht vom gedruckten und mit Urheberangabe versehenen Text eines Dritten. Und – Herr Doktor_FreakOut hat diese Frage bereits in seinem Blogpost aufgeworfen – hat möglicherweise gar der twitternde Erstschreiber (ich verzichte ausdrücklich auf die Bezeichnung “Urheber”) möglicherweise den Einzeiler ebenfalls irgendwo gehört oder gelesen und nicht selbst erdacht? Ich stelle anheim: Wer niemals auf Twitter Aphorismen oder Sprüche der oben beschriebenen oder vergleichbarer Herkunft von sich gegeben hat, möge den ersten Stein nach mir werfen.

Kurzum: Nicht jeder meiner Tweets wurde im Frontallappen meines Wurfhirns gezeugt und anschließend auf Twitter geboren. Es sind definitiv auch künstliche Befruchtungen darunter. Und ich setze darauf, dass mir jeder Follower Bescheid gibt, wenn ich einen Tweet veröffentliche, den es bereits gab. Schlussendlich gerade zu rücken bleibt, dass der weit überwiegenste Teil meiner bisherigen > 40000 Tweets leider doch aus den kruden Tiefen meines Stammhirns stammt.

Aber ich habe gravierende Fehler gemacht indem ich beim twittern in vorbezeichneten Fällen nicht immer sorgfältig genug recherchierte ob ein Tweet bereits in ähnlicher Form existierte. Und ich habe dem Shitstorm nicht rechtzeitig Gewicht beigemessen und den Dialog zu Kritikern gesucht (nicht zu Hatern). Das tut mir leid.

Es erscheint mir aber ein geradezu absurder Vorwurf, ich hätte „Beweise“ vernichtet (Zitat Doktor_FreakOut „Eine reine Weste dank dem Einsatz von hochkonzentrierter Chlorbleiche“), weil ich die in Frage stehenden Plagiate unverzüglich löschte. Was hätte ich stattdessen tun sollen? Sie stehen lassen? Als Mahnmal gegen und Beweis für meinen „Tweetklau“? Sorry, aber denken Sie doch bitte mal nur einen Moment über die Alternativen nach.

Gedanklich aber noch einmal kurz zurück zum Anliegen von #madebytwitter: Wir prangern kommerziellen Tweetklau durch Dritte an. Meine Art zu twittern mag man finden, wie man möchte – aber mir ging es bei Twitter nie darum, Geld zu verdienen (wie auch?). Ich halte es für einen sehr gravierenden Unterschied, ob ich fahrlässig etwas schreibe, was bereits ein anderer vor mir veröffentlichte, oder ob eine GmbH als Geschäftsmodell ausruft, massenweise Leistungen anderer zu kopieren, um damit Geld zu verdienen. Es sollte auch meinen Kritikern gelingen, zwischen vorgenannter Art zu twittern und einem mit kommerziellen Interessen behafteten Buchtitel zu differenzieren. 

Ich habe aus diesen nervenaufreibenden Tagen neben viel positivem Zuspruch auch mitgenommen; Man kann auf Twitter von heute auf morgen zum Misanthropen werden, zumindest aber den Spass an einer doch so wunderbaren Art des Microblogging verlieren.

Das macht mich nachdenklich, jeder sollte mit seiner Zeit tun und lassen können, was er möchte. Dazu gehört für mich nicht, sie zu vergeuden. Was mir hier alleine im Zuge von #madebytwitter begegnete, war viel schlecht verpackter Zynismus, viel schlecht kaschierter Neid, viel sinnlose Klugscheißerei, viel Resignation und vor allem viel Nase rümpfende Attitüde nach dem Motto “Was denkt ihr kleinen Würstchen denn, was ihr erreichen könnt, die sitzen eh am längeren Hebel“. Der Shitstorm mir gegenüber setzt hierzu nur noch den unrühmlichen Schlussakkord: Mein Bedarf an sozialen Hetzwerken ist zunächst einmal gedeckt.

Ich wünsche Ihnen besinnliche Festtage im Kreise ihrer Lieben. Kommen Sie gut nach 2015.

Ihr Moltroff

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